Fünf Länder, 2845 Kilometer: Die Veloplus Kund:innen Simon und Simone fuhren mit ihren Velos von Guatemala bis nach Panama. In ihrem Reisebericht erzählen sie, wie sie die Reise erlebt haben und wie sich ihre Ansprüche sowohl ans Feierabendbier wie auch an die Übernachtungsmöglichkeiten unterwegs verändert haben.
Reisebericht von Simon und Simone
Eine Schnapsidee nimmt Fahrt auf
Es war einer dieser späten Abende, an denen Ideen erstaunlich vernünftig klingen.
«Wie wär’s, wemmer s’Velo packed und eifach losfahred?»
Zwischendurch zelten.
Am liebsten irgendwo, wo es warm ist.
Am besten für ein paar Wochen.
So bald wie möglich.
Was kann schon schief gehen?
Zu diesem Zeitpunkt hatte eine von uns nicht einmal ein funktionierendes Velo.
Bikepacking-Erfahrung? Praktisch keine.
Motivation? Kaum zu übertreffen.
Aus zwei grossen Grinsern und der spontanen Idee wurde plötzlich ein Plan.
Geld wurde auf die Seite gelegt.
Velos ausgerüstet.
Job pausiert.
Wohnungen untervermietet.
Taschen gepackt.
3 Monate später standen wir mit unseren Velos in Guatemala, ready um loszufahren aber auch mit einer grossen Portion Respekt und nervösen Beinen. Wir hatten kein fixes Ziel, keinen detaillierten Plan. Wir hatten vor allem eine grosse Vorfreude, zu schauen, wie weit es uns treibt.



Die ersten Kilometer: Zentralamerika kennt kein Erbarmen
Schon die ersten Kilometer in Guatemala machten klar: Zentralamerika würde uns nichts schenken. Am Vulkan Pacaya schoben wir bei 40 Grad unsere vollbepackten Velos über Lavagestein und haben kurz unser Vorhaben hinterfragt. Wir lernten, dass Hunde erstaunlich motiviert sein können, wenn zwei Velofahrer vorbeidüsen und auch dass sich ein kaltes «Agua Pura» nach einer staubigen Etappe manchmal besser anfühlt als jedes Feierabendbier in Züri.
Gleichzeitig merkten wir aber auch etwas anderes: überall begegneten uns Menschen mit einer Offenheit und Neugier, die wir so nicht erwartet hatten. Ein Lächeln hier, ein kurzer Schwatz dort oder ein spontanes Schlafplatzangebot. Begegnungen wie diese wurden schnell zu den schönsten Erinnerungen der Reise.



Fünf Länder, unzählige Eindrücke
Mit jedem Grenzübertritt änderte sich die Landschaft. Guatemala bedeutete Vulkane und Schotterpisten. El Salvador überraschte uns mit traumhaften Küstenstrassen, den besten Pupusas und einem Dorffest in Berlín, bei dem wir uns plötzlich fühlten, als würden wir dazugehören. In Nicaragua konnten wir auf Ometepe unseren Inseltraum leben; Wir umrundeten die Insel mit dem Velo, paddelten mit dem Kajak zwischen Caimanen hindurch, bestaunten den Vulkan Concepción und freuten uns riesig über ein frisch gebackenes Sauerteigbrot – erstaunlich, wie sich Prioritäten auf einer langen Reise mit dem Velo verschieben.
Costa Rica war grün. Wirklich unglaublich grün. Zwischen Dschungel, Brüllaffen, Sloths und bunten Fröschen kämpften wir uns über tausende Höhenmeter. Warmshower-Gastgeber öffneten ihre Türen (und Kühlschränke), wir probierten uns durch exotische Früchte und lernten, dass ein eiskaltes Fresca nach einer schweisstreibenden Etappe fast schon magisch schmeckt. Und dann kam Panama. Eigentlich dachten wir lange, Panama sei einfach unser Ziel. Stattdessen wurde es noch einmal ein Höhepunkt unserer Reise. Nebelwälder, Wasserfälle, die Pazifikküste und Tauchgänge mit Schildkröten, Oktopussen, Riffhaien und Seepferdchen. Gleichzeitig begann die Regenzeit. Plötzliche Monsunschauer, überflutete Strassen und nasse Kleider gehörten ab da genauso dazu wie die täglichen Kilometer.



Wir wollten Abenteuer. Wir bekamen Abenteuer.
Natürlich lief nicht immer alles nach Plan. Wir hatten grössere und kleinere Pannen, waren ziemlich krank und schoben unsere Velos öfter, als wir vorher erwartet hätten. Wir haben Diskussionen geführt und mussten unsere Ansprüche an Komfort und Hygiene immer wieder runterschrauben. Wir schliefen auf einem Fussballfeld mit Flutlicht, in einer Feuerwehr, an Stränden, im Poolbereich einer Hotelanlage und in einem Zimmer, das sich irgendwo zwischen Restaurant und Hühnerstall befand. Doch genau diese Momente erzählen heute die besten Geschichten. Was uns unterwegs am meisten gefallen hat, waren gar nicht immer die Landschaften (obwohl Vulkane, Dschungel und zwei Ozeane wirklich schwer zu toppen sind). Es war die Herzlichkeit der Menschen. Die Familie, die uns spontan ihr kleines Haus zum Übernachten lies. Die ältere Frau, die uns Mangos für unterwegs schenkte und Kinder, die uns an langen Tagen mit Wasser versorgten, obwohl unsere Spanischkenntnisse nicht immer für komplette Unterhaltungen reichte




Und plötzlich ragte die Skyline vor uns auf
Nach 81 Tagen rollten wir schliesslich in Panama City ein. Vor uns die Skyline – hinter uns ganz Zentralamerika. Wir waren überglücklich und unglaublich stolz, es tatsächlich geschafft zu haben. Gleichzeitig fühlte sich die Ankunft irgendwie unwirklich an. So lange hatten wir jeden Tag aufs Weiterfahren ausgerichtet und plötzlich war da dieses Ziel. Was ein paar Monate zuvor bei einem Abendessen begonnen hatte, war zum grössten Abenteuer unseres bisherigen Lebens geworden.
Wir nehmen Erinnerungen mit nach Hause, die sich nicht in Kilometern, Höhenmeter oder Anzahl Länder messen lassen. Es ist die Erinnerungen an alle Begegnungen, das tägliche Gefühl von Freiheit auf dem Velo und der grosse Stolz jede noch so strenge Etappe geschafft zu haben. Es ist das Gefühl, morgens auf der Isomatte aufzuwachen und nicht zu wissen, was der Tag bringt. Das Vertrauen, dass irgendwo am Abend schon wieder ein Platz zum Schlafen auftauchen wird. Aber auch die Erkenntnis, dass man für grosse Abenteuer oft weniger braucht, als man denkt. Manchmal reicht eine spontane Idee, zwei Velos und ein bisschen Mut, um Erinnerungen zu schaffen, die einen nicht mehr so schnell loslassen.



Nach der Reise ist vor der Reise
In Panama trennten sich unsere Wege. Für Simone ging es wegen der Arbeit zurück nach Zürich, Simon radelt in Südamerika munter weiter, bis die Luft raus ist.
Die Reise in Zahlen:
Total Kilometer: 2’845
Total Höhenmeter: 34’582
Total Fahrtstunden: 172
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