Wer bremst, gewinnt. Zuverlässige und gut funktionierende Bremsen sind beim Velofahren enorm wichtig. Geh darum keine Kompromisse ein und checke deine Bremsen regelmässig auf Herz und Nieren. Wie du dabei vorgehst, erfährst du in diesem Artikel.
Ob im dichten Strassenverkehr, auf einer steilen Passabfahrt oder auf einem anspruchsvollen Trail: Wer mit dem Velo unterwegs ist, muss sich jederzeit auf seine Bremsen verlassen können. Sie sorgen dafür, dass du deine Geschwindigkeit kontrollierst und im entscheidenden Moment rechtzeitig zum Stillstand kommst – und gehören damit zu den wichtigsten Sicherheitskomponenten deines Velos.
Wie zuverlässig und kraftvoll die Bremsen funktionieren, liegt zu einem grossen Teil in deinen eigenen Händen. Mit regelmässigen Kontrollen, etwas Pflege und dem rechtzeitigen Austausch von Verschleissteilen verbesserst du die Leistung der Bremsen und verlängerst die Lebensdauer. Schenke ihnen deshalb beim Check die nötige Aufmerksamkeit. Denn wer seine Bremsen regelmässig prüft und instand hält, kann im entscheidenden Moment darauf vertrauen, dass sie auch wirklich das tun, was sie sollen: sicher und kontrolliert Geschwindigkeit abbauen.
Wenn du eine hydraulische Scheibenbremse hast, dann gehst du so vor.
Druckpunkt: Fühlt sich der Bremshebel richtig an?
Zieh den Bremshebel und achte auf den Druckpunkt. Er sollte klar definiert und eindeutig spürbar sein. Fühlt sich der Hebel dagegen schwammig an oder lässt er sich weit bis zum Lenker ziehen, ist mit Sicherheit Luft im Bremssystem. Luftbläschen bilden sich beim Transport oder bei der Lagerung des Velos auf der Seite oder kopfüber, ebenso beim Aufhängen. Dabei ist die Vorderbremse meist stärker betroffen als die Hinterbremse.
Wenn Luft im System ist, musst du die Bremse in jedem Fall entlüften. Bei wenig Luft reicht je nach Bremssystem ein sogenannter Lever Bleed. Dabei werden die Luftbläschen direkt am Bremshebel aus dem System entfernt. Ist mehr Luft im System oder sitzt sie an einer anderen Stelle, muss die Bremse komplett entlüftet werden.

Bremsbeläge: Auf die Dicke kommt es an
Bremsbeläge sind Verschleissteile – und sie bremsen sich schneller weg, als man denkt. Für den Check brauchst du nicht einmal das Rad auszubauen. Leuchte einfach mit einer kleinen Taschenlampe in die Bremse und schau dir die Beläge an. Sind sie noch mindestens 1.5 mm dick? Dann fahr beruhigt weiter. Liegt die Belagstärke unter diesem Wert, dann ist es Zeit für einen Wechsel. Zum Vergleich: Neue Beläge sind rund 2.5 mm dick. Wichtig: Vorne und hinten verschleissen die Beläge unterschiedlich stark. Kontrolliere deshalb beide Bremsen separat.

Planst du eine kleine und flache Feierabendrunde, dann sind 1.5 mm ausreichend. Bei anspruchsvollen Endurotouren mit vielen Tiefenmetern lohnt sich der Austausch bereits früher.
Video-Tutorial: So wechselst du die Beläge deiner Scheibenbremse
Schleift die Bremsscheibe am Belag?
Dreht sich die Bremsscheibe nicht mittig durch die Bremszange oder schleift sie sogar an den Bremsbelägen? Das lässt sich schnell korrigieren. Löse dazu die beiden Schrauben der Bremszange leicht, sodass sie locker ist. Zieh anschliessend kräftig am Bremshebel und halte ihn gezogen. Die Bremszange richtet sich dadurch an der Scheibe aus. Ziehe die Schrauben der Bremszange wieder fest und lasse erst jetzt den Bremshebel wieder los.

Schleift es immer noch? Dann leuchte mit einer kleinen Taschenlampe in den Bremssattel. Die beiden Abstände zwischen Bremsscheibe und Bremsbelägen sollten links und rechts möglichst gleich gross sein. Richte die Bremszange bei Bedarf von Hand aus und zieh die Schrauben anschliessend wieder fest.
Schleift die Bremsscheibe bei jeder Umdrehung an den Bremsbelägen, dann ist sie möglicherweise verbogen. Dreh das Laufrad langsam und beobachte, wo die Scheibe am Bremsbelag schleift. So findest du die Stelle, an der die Scheibe aus der Spur läuft. Mit einem speziellen Bremsscheiben-Richtwerkzeug biegst du die Scheibe vorsichtig wieder in die richtige Position. Arbeite dabei in kleinen Schritten und kontrolliere zwischendurch immer wieder, ob die Scheibe frei durch die Bremszange läuft.

Verschleiss der Bremsscheibe
Auch die Bremsscheibe verschleisst mit der Zeit. Wie dünn sie werden darf, geben die Hersteller direkt auf der Bremsscheibe an. Als Richtwerte gelten mindestens 1.5 mm. Bei Shimano sind es 1,5 mm, bei Magura und SRAM 1.55 mm. Am genauesten lässt sich die Dicke mit einer Scheibenlehre messen. Liegt sie unter dem angegebenen Mindestmass, dann ist es Zeit für eine neue Bremsscheibe.
Eine Bremsscheibe sollte nicht spiegeln. Wirkt ihre Oberfläche glänzend oder schimmert sie sogar regenbogenfarben, kann sie verunreinigt oder überhitzt sein. Beides kann die Bremsleistung beeinträchtigen und zu unangenehmem Quietschen führen.
Für die Montage einer neuen Bremsscheibe brauchst du einen Torx T25 oder einen 4-mm-Inbusschlüssel. Zieh die Schrauben kräftig und über Kreuz an – idealerweise mit dem vom Hersteller vorgegebenen Drehmoment.

3 Kommentare
13. September 2026
Zitat: „Als Richtwerte gelten mindestens 1.5 mm. Bei Shimano sind es 1,8 mm, bei Magura und SRAM 1.55 mm. “
!! Vorsicht: Bei Shimano sind es mindestens 1.5 mm, nicht 1.8 mm!! 1.8 mm dick sind die Shimano-Scheiben im Neuzustand.
14. September 2026
Hallo Housi. Du hast natürlich recht, die Mindestdicke bei Shimano-Scheibenbremsen ist 1,5 mm, es steht sogar auf der Scheibe angeschrieben. Danke fürs genaue Lesen und Korrigieren dieses Fehlers. Wir haben es im Text ebenfalls korrigiert.
22. September 2026
Zum wechseln der Bremsscheiben kommt man bei Centerlock mit einem Torx- oder Imbusschlüssel nicht ans Ziel 😉