Die Veloplus-Kund:innen Corina und Elias waren auf einer abenteuerlichen Reise durch Japan. Von Übernachtungen auf Fussballfeldern, über schneebedeckte Pässe bis zu einem mehrtägigen Aufenthalt in einem Tempel bei einem Mönch haben die beiden in Japan so einiges erlebt.
Reisebericht von Elias und Corina
Etappe 1: Hokkaidō
Die Fahrräder sind gut angekommen, der Jetlag sitzt noch etwas in den Knochen und schon rollen wir die ersten Kilometer durch die nördlichste Präfektur Hokkaidō. Einiges wirkt vertraut, und dennoch ist so vieles anders: Linksverkehr, unbekannte Schriftzeichen und für uns neue Umgangsweisen.
Die Landschaft im Norden ist weit und ruhig. Küstenstrassen ziehen sich kilometerlang am Wasser entlang, kleine Fischerdörfer wechseln sich mit Wäldern ab. Am Horizont erhebt sich der Mount Usu. Rehe stehen am Strassenrand und immer wieder erinnern Beschilderungen daran, dass hier auch Braunbären unterwegs sind. Entsprechend sorgfältig wählen wir den Zeltplatz aus. Einmal schlafen wir sogar in einer Umkleidekabine statt draussen im Zelt, aus Angst vor den Bären.


Nach fünf Tagen im Sattel folgt eine Pause mit einem besonderen Moment: Bei Sonnenaufgang um 5.15 Uhr baden wir in einer heissen Quelle im Meer. Durch die Ebbe war der Meeresspiegel so niedrig, dass die Quelle freigelegt wurde.
Die japanische Meeresküche fordert heraus, vor allem wenn man eigentlich vegetarisch essen möchte. Auch schmale Strassen und lange Tunnel sind herausfordernd und müssen mit Autos und Lastwagen geteilt werden. Dennoch überwiegen die positiven Erfahrungen: freundliche Begegnungen, hilfsbereite Menschen und auch viele ruhige Strassen.
Etappe 2: Nord-Honshū
Mit der Fähre geht es weiter nach Aomori auf der Hauptinsel Honshū. Zwei intensive Wochen folgen. Die Tagesetappen sind unterschiedlich lang – mal gemütliche zehn Kilometer, mal hundert. Übernachtet wird dort, wo es sich anbietet: auf einem Fussballfeld, direkt am Strand oder in einer Berghütte auf 1500 Metern Höhe.
Immer wieder sind es Begegnungen, die in Erinnerung bleiben. Wir kommen mit verschiedenen Menschen ins Gespräch und die Leute freuen sich, dass wir Japan mit dem Fahrrad durchqueren. Oft schenken sie uns Mandarinen oder ausgefallene Süssigkeiten wie Pfefferminz-Milch-Bonbons.
Onsens, so nennt man in Japan die heissen Quellen, werden unterwegs zu wichtigen Fixpunkten. Gerade weil viele Campingplätze ausserhalb der Saison geschlossen sind, bieten sie nicht nur Entspannung, sondern auch eine unkomplizierte Möglichkeit, sich nach einem verschwitzten Tag zu erfrischen.


Nach einem langen Abschnitt an der Westküste erreichen wir die Grossstadt Niigata. Da wir einen Freund in Tōkyō vor seiner Abreise noch besuchen möchten, beschleunigen wir unsere Reise mit einer Fahrt im Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen. Die Fahrräder können problemlos in den kleinen Transporttaschen von Veloplus mitgenommen werden. In nur zwei Stunden statt einer Woche mit dem Fahrrad erreichen wir die grösste Stadt der Welt. Nach vielen Tagen in ländlichen Regionen ist die Hauptstadt überwältigend. Der Kontrast ist gross und wir lernen eine ganz andere Seite Japans kennen.
Etappe 3: Zentral-Honshū
Zurück im Sattel umrunden wir den Mount Fuji. Leider versteckt sich der grösste und bekannteste heilige Berg Japans meistens in den Wolken. Umso eindrücklicher sind die Momente, in denen Teile von ihm kurz sichtbar werden. Danach führt die Route ins stille Kiso-Tal mit seinen historischen Orten und traditionellen Holzhäusern. Ein Besuch bei einem Keramikkünstler ermöglicht faszinierende Einblicke in lokales Handwerk.
Nach drei Wochen in der Natur erreichen wir die Städte Kyōto und Ōsaka, wo wir jeweils einige Tage verbringen. Wir sind beeindruckt von den gut erhaltenen Tempeln und Gärten, den lebhaften Märkten und dem modernen Stadtleben. Gleichzeitig erleben wir den Massentourismus in Kyōto und begegnen der teils raueren Umgangsweise in Ōsaka. Nach einigen Tagen Stadtleben freuen wir uns jedoch wieder auf Natur und Ruhe.


Etappe 4: Shikoku
Von Fukuyama aus führt die bekannteste Fahrradstrecke, der Shimanami Kaido, über mehrere lange Brücken auf die Insel Shikoku. Shikoku zeigt sich vielseitig. Entlang der Küste fallen die Tsunami-Warnschilder und Evakuierungstürme auf, die ständige Begleiter am Strassenrand sind. Das Wetter wechselt: An einem Tag lädt das Meer zum Baden ein, am nächsten Morgen sind die Wiesen von Frost überzogen. In den Bergen leuchtet das Herbstlaub in kräftigen Farben. Nach neun Tagen ohne Unterbruch im Sattel ist die Erschöpfung spürbar und die Freude ist gross, als wir das kleine Familienhotel Kaiyu am Meer erreichen. Dort gönnen wir uns eine lange Pause mit liebenswerten Menschen, Schnorcheln und viel Entspannung. Von Yawatahama führt die Fähre weiter nach Kyūshū.

Etappe 5: Kyūshū
In Beppu dampft es aus allen Löchern. Die Stadt ist bekannt für ihre zahlreichen heissen Quellen. Hier legen wir eine längere Pause ein, denn wir besuchen für mehrere Tage einen Tempel, in dem wir uns der Zen-Praxis und der Meditation widmen. Die Gespräche mit dem Mönch Yodo sind sehr spannend und eröffnen neue Perspektiven auf Gesellschaft und Kultur Japans. Dabei kommen auch Themen zur Sprache, über die in Japan lieber geschwiegen wird, wie Sexismus oder ihre Kriegsvergangenheit.
Anschliessend fahren wir weiter durch den Aso Kuju Nationalpark zum Vulkan Mount Aso. Die Fahrt durch die riesige Caldera gehört zu den eindrücklichsten Abschnitten der Reise. Schneebedeckte Pässe, kalte Temperaturen und weite, fast menschenleere Landschaften prägen diese Tage. Wärmepads, spontan geschenkt in einem kleinen Café, sorgen immerhin für warme Füsse. Nach einem kurzen Halt in Kumamoto steht der letzte Abschnitt Richtung Kagoshima an. Der geplante Aufstieg zum Ebino-Plateau erweist sich als extrem steil. Schweren Herzens entscheiden wir, das letzte Stück bis nach Kagoshima, dem Endpunkt unserer Fahrradreise, aus gesundheitlichen Gründen mit dem Zug zurückzulegen. Die Fahrt im kleinen, alten und holprigen Dieselzug war dafür einmalig.


Zum Abschluss wandern wir auf den Mount Karakuni. Von oben reicht der Blick weit über die Vulkane des Kirishima-Gebirges. Die Beine spüren die Wanderung stärker als jeden Velotag – doch die Aussicht entschädigt.
Die Reise mit dem Velo gibt tiefe Einblicke in Natur und Kultur durch unmittelbare, hautnahe Erlebnisse. Wir staunen über die grosse Vielfalt der Landschaften und sind dankbar, dass alles ohne grössere Zwischenfälle verlaufen ist. Besonders beeindruckt hat uns die Offenheit und Hilfsbereitschaft der Menschen, die wir unterwegs getroffen haben. All das macht diese Reise unvergesslich.

Die Reise in Zahlen
- Anzahl Tage: 93
- Anzahl Velofahrtage: 62
- Anzahl Kilometer Total: 2573
- Anzahl Höhenmeter: 30’444
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