Satteltaschen sind äusserst beliebt, stehen aber in der Kritik, stark zu wackeln. Aber tun sie das wirklich? Wir haben das genauer untersucht und drei Satteltaschen aus dem Veloplus-Sortiment einem Belastungstest unterzogen. Hier findest du die Ergebnisse und viele Praxistipps.
Satteltaschen sind kleine Raumwunder. Je nach Modell fassen sie über 15 Liter Gepäck. Sie hängen beim Fahren praktisch frei und sind nur über Montagepunkte am Sattel mit dem Velo verbunden. Das macht sie sehr anfällig dafür, beim Pedalieren oder im Wiegetritt stark hin und her zu schwingen, was störend wirkt.
Aber nicht nur der Fahrkomfort leidet. Wackelnde Taschen führen zu einem Energieverlust. Ein Teil der Kraft beim Pedalieren geht nicht in den Vortrieb, sondern in die Beschleunigung der Satteltasche von links nach rechts und umgekehrt. So die Vorurteile. Neue Modelle halten bereits sehr viel aus und gelten als besonders stabil – das ist zumindest das Versprechen der Hersteller. Wie belastbar sie wirklich sind, wollten wir selbst herausfinden. Dazu haben wir einen Test entwickelt, der das typische Ausschwingen beim Pedalieren und insbesondere im Wiegetritt simuliert. Wir wollten damit herausfinden, wie sie sich voll bepackt beim Fahren verhalten.
Die drei Satteltaschen im Test
Test 1: Sind sie wasserdicht?
Bevor wir die Stabilität getestet haben, wollten wir wissen, ob die drei Modelle wasserdicht sind. Das versprechen nämlich die Hersteller. Bei nassen Verhältnissen werden sie vom Hinterrad permanent
mit Wasser bespritzt. Daher müssen sie absolut wasserdicht sein, um auch bei längeren Fahrten
den Inhalt trocken zu halten. Das ist sehr wichtig, schliesslich transportiert man heikle Ausrüstungsgegenstände wie Bekleidung oder einen Schlafsack in der Satteltasche – Sachen, die unbedingt trocken bleiben müssen.
Test
Wir haben die Satteltaschen in der Velowaschanlage in der Veloclinic Wetzikon getestet. Um einen Wassereintritt zu visualisieren, haben wir die Tasche mit Gepäck und einem grauen Textiltuch ausgekleidet. Die Taschen haben wir fünf Minuten lang mit dem Schlauch mit vollem Druck von unten bespritzt und somit eine Fahrt bei regnerischen Bedingungen simuliert.
Alle drei Taschen zeigten beim Test keinen Wassereintritt, sie sind also, wie vom Hersteller gekennzeichnet, absolut wasserdicht.

Test 2: Stabilität
Wir wollten herausfinden, wie gut die drei Modelle seitlichen Belastungen beim Fahren, insbesondere beim Wiegetritt, standhalten. Dazu haben wir sie mit Ausrüstungsgegenständen, die man bei einer Tour typischerweise in der Satteltasche mitführt, voll bepackt. Wir haben dazu Textilien (Bekleidung) gewählt, also voluminöses, leichtes und komprimierbares Gepäck.
Beim Wiegetritt wirken seitliche Fliehkräfte auf die Satteltasche. Um deren Stabilität zu testen, haben wir diese Fliehkräfte simuliert. Dazu haben wir das Testvelo samt Satteltasche in eine waagrechte Position gebracht und am Ende der Satteltasche ein Testgewicht von 5 kg angehängt. Wir haben gemessen, um wie viele Zentimeter sich die Satteltasche aufgrund des Testgewichts nach unten verbiegt und auf diese Weise die Stabilität der Tasche selbst und den Sitz am Velo geprüft.
Die wichtigsten Testparameter (um Anwendungsfehler auszuschliessen)
- Montage: alle Straps und Befestigungen so fest wie möglich zugezogen.
- Bepackung: so fest und eng wie möglich in die Tasche gestopft, damit die Aussenhaut gut gespannt
ist. - Verzicht auf sperrige Gegenstände, um das Entstehen von Hohlräumen im Innern zu verhindern.
- Packgewicht: typische Gepäcklast für Satteltaschen, im Bereich von 3 kg.
Wieso ein Testgewicht von 5 kg?
Die durch ein Testgewicht simulierten Kräfte übersteigen die seitlichen Fliehkräfte im Wiegetritt.
Wir gehen davon aus, dass ein Testgewicht von 5 kg mit einer Kraft von etwa 50 Newton deutlich höhere Belastungen erzeugt. Wenn die Satteltasche dem Testgewicht standhält, wird sie auch beim Fahren und im Wiegetritt stabil bleiben und kaum wackeln.
Ergebnis

Seat-Pack L Satteltasche 16.5 L von Ortlieb
Sie ist die längste Tasche im Test und wird mittels Straps an Sattelrohr und -streben befestigt. Beim Belastungstest biegt sie sich 5.7 cm nach unten. Trotz ihrer Länge sitzt die Tasche fest am Sattel, ein Verrutschen ist nicht wahrnehmbar. Die Tasche selbst erwies sich als strukturell stabil, ohne Einknicken, Verbiegungen oder lokale Verformungen. Insgesamt zeigt die Seat-Pack L eine gute Stabilität unter hoher Belastung.

Expedition Saddle Pack 14 L von Apidura
Sie wird mit Straps an Sattelrohr und -streben befestigt. Sie zeigt mit 9.8 cm den grössten nach unten gerichteten Ausschlag der drei Taschen. Trotz der vergleichsweise hohen Durchbiegung sitzt die Tasche sicher am Sattel, ein Verrutschen ist nicht feststellbar. Die Tasche selbst bleibt strukturell stabil, ohne Einknicken oder Verformungen. Insgesamt bietet die Tasche einen stabilen Sitz und eine gute Stabilität unter Last.

Seat-Pack QR Satteltasche 13 L von Ortlieb
Sie verfügt über ein Quick-Release-Befestigungs-System, das fix an den Sattelstreben montiert wird. Dank integrierter Kunststoffelemente ist die Tasche besonders formstabil aufgebaut. Im Belastungstest zeigt sie mit 5 cm den kleinsten Ausschlag der drei getesteten Taschen. Der Sitz am Sattel ist sehr fest, ein Verrutschen ist nicht wahrnehmbar. Auch strukturell bleibt die Tasche durchgehend stabil, ohne Verformungen. Insgesamt bietet die Seat-Pack QR die höchste Stabilität im Testfeld.
Fazit
Die Stabilität der getesteten Satteltaschen übertrifft die Erwartungen. Die Belastung mit einem Testgewicht von 5 kg haben nicht dazu geführt, dass die Taschen nachgegeben und sich komplett nach unten gebogen haben. Das widerlegt die Vorurteile, Satteltaschen seien instabil und bestätigt das Versprechen der Hersteller.
Alle drei Satteltaschen haben den Test bestanden. Sie halten viel grösseren Belastungen stand, als sie im Wiegetritt auftreten. Bei korrekter Handhabung, insbesondere durch richtiges Packen und einer festen Montage am Sattel, zeigen sich alle Modelle sehr stabil. Während der Fahrt sind die Bewegungen gering und kaum störend, sodass alle getesteten Satteltaschen uneingeschränkt praxistauglich sind.
Tipps: Hole das Beste aus deiner Satteltasche heraus
Montage
Zieh bei der Montage alle Straps fest zu. Ziehe sie auf Touren wenn nötig nach.
Geeignetes Gepäck
Am besten verstaust du Textilien, also Bekleidung, Schlafsäcke oder Ähnliches – also alles, was sich gut komprimieren lässt. Sperrige und schwere Gegenstände eignen sich nicht. Packe nur, was du während der Fahrt nicht brauchst, damit du die Satteltasche nicht aufmachen musst.
Richtig packen
Stopfe dein Gepäck ganz fest in die Tasche. Stelle dabei sicher, dass die Aussenhaut unter Spannung steht. So stellst du sicher, dass die Satteltasche stabil ist und fest sitzt. Das verhindert das Hin- und Herwackeln sehr effektiv.
Die richtige Reihenfolge
Schweres zuerst und nah am Sattelrohr, Leichtes am Schluss.
Entlüften
Achte darauf, dass keine Luft in der Satteltasche ist – je komprimierter, desto stabiler. Nutze das Entlüftungsventil, um Luft herauszupressen.
Pflege
Wasche die Tasche mit lauwarmem Wasser und milder Seife von Hand und lass sie gut trocknen.
Entdecke die neuen Bikepacking-Produkte von Apidura
Ratgeber zum Thema Bikepacking
Bikepacking ist voll im Trend – alles, was Du für deine Tour aufs Velo packen und losfahren. Auf unserer Ratgeberseite erfährst du alles, was du zum Thema Bikepacking wissen musst.
Bikepacking: So läuft die Vorbereitung und Organisation unterwegs am besten
Damit deine Tour zum Erfolg wird, solltest du mit dem richtigen Setup und Zubehör unterwegs sein und dein Gepäck gut organisieren. Die Veloplus-Tourenexpertin Chiara hat für dich viele Tipps und Tricks für die Gepäckorganisation und Planung von Veloreisen zusammengetragen.
Follow us:


