Vorne ein Kettenblatt? Oder doch zwei? Es ist eine kleine Entscheidung mit grosser Wirkung. Während 1-fach-Schaltungen im Mountainbike-Bereich und bei Gravel-Bikes längst Standard sind, bleiben 2-fach-Systeme im Rennvelo- und Tourenbereich immer noch relevant. Welche Schaltung passt zu deinem Fahrstil? Wir zeigen die Unterschiede, Vorteile und den Einsatzbereich.
Beim Besuch bei Veloplus fällt auf, dass viele Velos mit einer 1-fach-Schaltung ausgerüstet sind, vorne also nur ein Kettenblatt haben und ohne Umwerfer auskommen. 1-fach- oder 2-fach, das ist eine anhaltende Diskussion unter Velofans. Früher waren 2 Kettenblätter vorne selbstverständlich, seit SRAM 2012 die erste massentaugliche 1-fach-Schaltung auf den Markt brachte, wurden sie immer beliebter. Im Mountainbike-Bereich sind sie längst Standard, ähnliches wird im Gravelbereich geschehen.


Ist nun 1-fach oder 2-fach besser? Beide Varianten haben ihre Vorteile und Einsatzgebiete. Je nachdem, wie du dein Velo nutzt, bist du mit einer 1-fach- oder einer 2-fach-Schaltung besser gerüstet. Keine der zwei Schaltungen ist der anderen überlegen. Sie decken jeweils ganz spezielle Bedürfnisse ab.
Team 1-fach vs. Team 2-fach
Für wen ist welche Schaltung geeignet? Wir haben uns im Laden Oerlikon bei den Lernenden Nico Eicher und Kerim Sener erkundigt, welche Varianten sie bevorzugen.
Kerim: Team 1-fach

«An der 1-fach-Schaltung finde ich gut, dass sie einfach und leicht ist. Weil man vorne keinen Umwerfer hat, kann auch nichts kaputt gehen. Ich benötige am Lenker einen Schalter weniger, das Cockpit ist aufgeräumter. Die Kassetten haben meist 10 bis 52 Zähne. Die Gänge sind dann nicht so fein abgestuft, ich habe aber trotzdem die Bandbreite von ganz kleinen bis recht grossen Gängen. Die meisten 1-fach-Schaltungen nutzen ein Narrow-wide-Kettenblatt, also mit abwechselnd breitem und schmalem Zahn. Da sitzt die Kette viel satter und springt kaum heraus.»
Nico: Team 2-fach

«Bei Rennvelos geht es nicht ohne 2-fach-Schaltung. Mit dem grossen Kettenblatt vorne kann ich im Flachen grosse Gänge fahren. Damit ich aber auch Steigungen hinauf schaffe, braucht es ein zweites kleineres Kettenblatt vorne dazu. Die Gänge sind zudem fein abgestuft. Viele Rennvelofahrenden, die auf Puls oder Trittfrequenz achten, schätzen die feine Abstufung der Gänge. Im Tourenbereich ist die 2-fach-Schaltung auch weit verbreitet. Mit viel Gepäck und oft schlechten und steilen Strassen braucht man sehr kleine Gänge.»
So weit kommst du mit einer Pedalumdrehung
Wie weit dein Velo mit einer Pedalumdrehung fährt, lässt sich mit dieser Formel sehr einfach berechnen:

Wir haben für verschiedene Modelle im Veloplus-Sortiment berechnet, wie weit sie im kleinsten und grössten Gang mit einer Pedalumdrehung vorankommen.

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18 Kommentare
6. März 2026
Nicos (vom Team 2-Fach) letzter Satz (Mit viel Gepäck und oft schlechten und steilen Strassen braucht man sehr kleine Gänge.) Wird in den Beispielen überhaupt nicht belegt. Für mich wäre entscheidender was das Verhältnis zwischen grösstem und kleinstem Gang ist (gear ratio range). Hier scheint es kein grossen Unterschied zu geben, ausser bei Pinion, die 636% anbieten.
25. März 2026
Hallo Kurt. Du hast mit Deinem Einwand recht. Wir haben bei den Berechnungen kein Tourenvelo einbezogen, sondern uns auf MTBs, Gravelbikes und Rennvelos beschränkt. Der Artikel richtet sich auch an die Kundschaft dieser Velos. Er soll Verständnis bringen und erklären, was es mit 1-fach- und 2-fach-Schaltungen auf sich hat. Vielen ist der Unterschied klar, aber genauso vielen nicht. Uns ist es wichtig, dass wir alle abholen.
Das Thema Tourenvelo, Pinion und Gear-ratio nehmen wir aber gerne auf. Vielleicht ist das ja der Inhalt eines weiteren Artikels.
6. März 2026
Grüezi, welche Werte habt ihr denn für den Raddurchmesser eingesetzt?
Wenn ich diese Formel in Excel einbringe, kommen andere Werte zustanden.
Günther
25. März 2026
Hallo Günther. Unsere Berechnung basiert auf der Entfaltungstabelle, die du hier findest:
https://www.veloplus.ch/file/5891/Dokumente/Entfaltungstabelle/Entfaltungstabelle_2025.pdf
6. März 2026
Für mich ist es wichtig leicht und angenehm zu fahren wenn man wenig kraft braucht in den Beinen. Ich passe jedes mal den Gang ein wo mir am wohlsten ist.
25. März 2026
Das ist die beste Strategie. Velofahren soll ja Spass machen und nicht zu anstrengend sein, wenn man im Alltag unterwegs ist.
6. März 2026
Ich gehöre sogar zum Team 3-fach: schweres Gepäck, steile Wege… und irgendwann müde Beine, die dann einen kleinen Gang sehr schätzen.
25. März 2026
Die Gänge mit 3-fach-Schaltungen sind schon sehr klein 🙂
6. März 2026
Ich bin etwas enttäuscht. Etwas wenig Argumente. Ein nicht E- MTB wäre interessant. Was sind die die möglichen Extreme bzw. die Minimal- und Maximalwerte im Sortiment? Wie sind die Abstufungen, bzw. die Überschneidung der Bereiche? Wieviel wirklich unterschiedliche Gänge bleiben am Schluss? Wie ist es nun wirklich mit dem Gewichtsunterschied? Vom 3-fach-Kettenblatt wird schon gar nicht mehr gesprochen. Vielleicht noch ein Vergleich zu Nabenschaltung, Rohloff-, Pinion, auch gewichtsmässig?
25. März 2026
Hallo Stefan. Danke für Deine Inputs. Das sind ganz viele spannende Punkte, die Du aufzählst. Vielleicht ist das ja das Thema eines weiteren Artikels zu diesem Thema. Wir bleiben auf jeden Fall dran.
10. März 2026
Wieso denn ein e-MTB anstatt Bio-Bike im Vergleich?
Ein wichtiger Vorteil von 1fach fehlt noch: Viel geringerer Kettenverschleiss.
25. März 2026
Guter Input. Veloplus führt seit heuer nur noch E-MTB-Fullies im Sortiment, deshalb haben wir eines unserer Modelle für die Berechnung herangezogen. Für Bio-Fullies ist die Berechnung genau die Gleiche.
Und danke für den Hinweis zum Kettenverschleiss. Das ist korrekt.
11. März 2026
Salü VeloPlus-Team
Interessante Analyse.
Wie auch schon geschrieben, ist die „Spreitzung“ von Interesse (z.B. in %).
Gesamtgewicht der beiden Ausführungen.
Und achtet darauf: der 2-te Wert ist fälschlicherweise in qm angegeben (Strecken in m).
25. März 2026
Hallo Rolf. Danke für den Input. Das ist bestimmt ein Thema, über das wir genauer berichten könnten.
Der Wert ist übrigens nicht in Quadratmetern angegeben, das ist die Legende zur Grafik. Aber ich gebe zu, es sieht echt so aus wie Quadratmeter.
14. März 2026
Seit über 40 Jahren kriegen meine Velos möglichst kleine Gänge zum Vermeiden von Knieschmerzen. Den grössten Gang nutze ich nur Berg runter und ist daher für mich nicht entscheidend
26er Custom Gravel 11kg 2×9 1.21-6.25m/U
26er MTB 12kg 3×10 1.27-7.90m/U
28er Strassenbike 9.5kg 3×9 9.5kg 1.42-9.29m/U
25. März 2026
Hallo Peter. Ja, die guten alten Zeiten mit Dreifach-Schaltung und 26-Zoll-Rädern. Unglaublich, welche kleine Gänge damit möglich waren.
15. März 2026
Ich fahre eine Rohloff kombiniert mit einem Speeddrive-Getriebe. So war es möglich, auch mit Kinderanhänger mit 5 km/h den Berg rauf zu fahren. Das Gleichgewicht musste ich zuerst etwas üben. Für mich war es aber immer noch weniger anstrengend als zu schieben. Kleinster Gang 10 m. Zu erwähnen ist noch, dass Rohloff so kleine Übersetzungen wegen der Gefahr der Überlastung eigentlich nicht erlaubte. Ich fahre aber auch nicht im Wiegetritt, schon gar nicht mit Anhänger. diese Schaltungskombination ist selten, relativ schwer, teuer und hat eher einen schlechten Wirkungsgrad. Sie braucht aber sehr wenig Unterhalt, funktioniert sehr zuverlässig (auch bei Schnee), die Kette kann nicht runterfallen und sie erlaubt mir auch Steigungen > 20% sitzend zu fahren. Treten muss man aber trotzdem;-)
25. März 2026
Hallo Peter. Danke für Deinen Kommentar und Deinen spannenden Input.