Herbstliche Velo- und Kletterreise durch Sizilien

Die Veloplus-Kund:innen Julie und Gregor waren auf einer abenteuerlichen Reise in Sizilien. Das Programm: Klettern und Velofahren. Was will man mehr?

Reisebericht von Julie und Gregor

Knapp drei Wochen waren wir – Gregor und Julie – von Ende November bis Mitte Dezember mit unseren Velos quer durch Sizilien unterwegs. Von Syracusa bis Palermo führte uns unsere Reise durch stille Dörfer, hügelige Landschaften und wechselhaftes Winterwetter. Mit dabei: Zelt, warme Schlafsäcke, Klettermaterial – und viel Lust auf Spontanität. Einen festen Plan hatten wir kaum: Unsere Entscheidungen änderten sich ständig – je nach Wetter, Stimmung und Lust am Umweg.

Bewusst anreisen: langsam, entspannt, klimafreundlich

Unsere Reise startete nicht auf dem Velo, sondern im Zug. Von der Schweiz ging es erst über Milano, dann weiter südwärts bis nach Syracusa mit dem Nachtzug. Die lange Fahrt war kein notwendiges Übel, sondern Teil des Abenteuers: Landschaften zogen vorbei, wir hatten Zeit zum Lesen, Lernen, Planen und Nichtstun.

Quer durch Sizilien – mit Umwegen

Ohne gross zu planen, buchten wir den Nachtzug nach Syracuse und dann wieder von Palermo zurück nach Milano. Keinen genauen Plan im Kopf zu haben zahlte sich aus, das wechselhafte Winterwetter Siziliens ermutigte uns sowieso immer wieder aufs Neue unsere Pläne zu überdenken. Doch schlussendlich hatten wir auch in dieser kalten Jahreszeit nur 1.5 Regentage. Da war wohl auch etwas Glück dabei, doch in Gesprächen mit den Einheimischen erfuhren wir, dass je nach Region ein paar wenige Regentage in den letzten Jahren im Winter ganz normal geworden sind für Sizilien.

Von Syracusa aus fuhren wir ins Landesinnere Richtung Caltagirone, entlang ruhigen Strassen, Feldern und Olivenhainen. Durch die hügeligen Landschaften Siziliens führte uns die Route über Buccheri, Grammichele, Caltagirone, Aidone und Gangi, stets bergauf und bergab – ein stetiges Spiel aus Anstrengung und Aussicht.

Überraschung in Gangi

Bei der Ankunft in Gangi, freuten wir uns über wohlverdiente Pausentage. Der letzte Aufstieg mit steilen Gassen und Kopfsteinpflaster forderte uns noch einmal richtig. Genau dann, als wir nur noch an Wärme und Entspannung dachten, erwarteten uns ein Airbnb, welches gerade einmal 9 °C warm war. Die Heizung schien nur kalte Luft umwälzen zu können. Müde Beine und ein genervtes Telefon mit dem Besitzer in Rom liess uns kurzerhand davonlaufen. Wir entschieden uns für ein gemütliches Hotelzimmer und eine wohlverdiente Pizza. Dieser Moment war überraschend, etwas anstrengend – und gleichzeitig unvergesslich.

Die bellenden Begleiter

Überall auf unserer Strecke begegneten uns Hunde – laut, aggressiv und offensichtlich überzeugt, dass wir Eindringlinge in ihrem Revier waren. Oft hielten wir lieber an und gingen zu Fuss weiter. Die Hunde verfolgten uns nichtwenig lautstark über mehrere 100 Meter. Manchmal wurden wir von Autos „gerettet“, die sich zwischen uns und die Hunde stellten und uns so einen sicheren Durchgang verschafften. Ganz klar: Von den Hunden hatten wir am meisten Angst auf unserer Reise – und gleichzeitig sind es unvergessliche, amüsante Erinnerung an das ländliche Sizilien.

Kleine Freuden unterwegs

Zwischen den Anstiegen und Abfahrten genossen wir die kleinen Dinge: frisch gebrühten Kaffee vom Campingkocher am Morgen oder einen starken Espresso bei einer Pause unterwegs, die erste Steigung, die uns nach der frischen Nacht angenehm aufwärmte, und die saftigen, süssen sizilianischen Orangen. Solche Momente machten die langen Velotage gleich viel schöner.

Klettermaterial auf dem Velo?

Das Verlangen, Siziliens Kletterspots zu erkunden, wog schwerer als das zusätzliche Gepäck. Wir entdeckten unteranderem zwei grossartige Klettergebiete mit beeindruckenden Grotten. Die Felswände waren abwechslungsreich und herausfordernd, und die Grotten selbst boten ideale Möglichkeiten zum Biwakieren – ganz ohne Zelt. Besonders bei kühler oder sehr windiger Wetterlage schützten sie uns etwas vor dem Wind. Die Nächte unter dem schützenden Felsen, begleitet vom Echo unserer Stimmen und dem leisen Wind draussen, wurden zu kleinen Abenteuern für sich.

Kurze Wintertage und frühe Entdeckungen

Die kurzen Wintertage bedeuteten, dass die Sonne oft schon vor 17 Uhr unterging. So kam es, dass wir manchmal unsere letzten Kletterrouten bei Stirnlampenlicht kletterten – ein ungewohntes, aber aufregendes Erlebnis.

Am nächsten Morgen wurden wir im Biwak mit einem wunderschönen Ausblick belohnt: Die ersten Sonnenstrahlen tauchten die Hügel, Olivenhaine und Felsen in warmes Licht, und jedes Detail wirkte intensiver nach dem Spiel von Licht und Schatten in der kühlen Morgenluft. Diese Kombination aus abendlichem Abenteuer und morgendlicher Ruhe machte die Wintertage in Sizilien besonders eindrücklich.

Velofahren & Klettern – die perfekte Kombination

Nach langen Velotagen war es herrlich, die Beine beim Klettern anders zu fordern. Die Abwechslung zwischen Radfahren und Klettern schuf einen Rhythmus, der für uns ideal war: anstrengend, abwechslungsreich und zugleich erholsam. Die müden Muskeln auf dem Velo wurden durch neue Bewegungen am Fels aktiviert, und die Kletterausflüge fühlten sich umso lohnender an, weil wir zuvor die Landschaft auf zwei Rädern erlebt hatten. So mussten wir uns nie zwischen Sportarten entscheiden, sondern konnten beide Aktivitäten flexibel kombinieren – eine Balance aus Abenteuer, Bewegung und purer Freude an der Natur.

Kühle Temperaturen – gut ausgestattet

Beim Packen fragten wir uns noch, ob wir all unsere warmen Sachen überhaupt brauchen würden – die neuen warmen Schlafsäcke, die Daunenjacken, die Daunenhosen. Spoiler: Ja, wir brauchten alles! Besonders nachts und in den Bergen spürten wir die Kälte deutlich. Zum Glück waren wir bestens ausgerüstet und konnten so die kühlen Abende geniessen und uns bestens von den anstrengenden Tagen ohne zu frieren erholen.

Ankunft in Palermo

Nach der Kälte und dem Regen der letzten Tage im Landesinneren sehnten wir uns zum Ferienende nach Sonne und Wärme. Also fuhren wir Richtung Küste und verbrachten den letzten Velotag entlang des Meeres nach Palermo.
Dort angekommen, traf uns der Kontrast: Lebendige, laute und bunte Strassen im Vergleich zu den stillen Dörfern und einsamen Hügeln zuvor. Der dichte Verkehr, hupende Autos, waghalsige Rollerfahrer und plötzlich auftauchende Fussgänger verlangten mehr Aufmerksamkeit als jede Steigung zuvor.

Drei Wochen auf Sizilien ohne ein einziges Bad im Meer? Das hätten wir uns selbst kaum zu sagen getraut! Wir zögerten kurz, denn das Meer war erfrischend kühl. Mit einem kleinen Adrenalinschub sprangen wir hinein – ein Moment purer Freude und ein würdiger Abschluss unserer Reise.


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