Die Kritik an der Eurobike war und ist laut, kürzlich sind mit dem Zweirad Industrie Verband ZIV und Zukunft Fahrrad ZF zwei gewichtige Partner abgesprungen und der bisherige Geschäftsleiter der Eurobike wurde entlassen. Die Austragung der Eurobike 2026 hängt am seidenen Faden. Dennoch halten die Verantwortlichen daran fest und sind bereits in der Planung.
Was ist passiert? Ganz einfach, es lief nicht mehr so rund wie auch schon. Die Besucherzahlen gingen zurück, mehrere grosse Marken fehlten, die Kosten waren zu hoch. Die Eurobike steckt in einer Krise und läuft Gefahr, an Vertrauen und Relevanz einzubüssen.

Die Herausforderungen an den Veranstalter Fairnamic sind in den letzten Jahren zugegebenermassen enorm gewachsen, muss er doch eine grosse Zahl verschiedener Zielgruppen berücksichtigen. Die Interessen von kleinen und grossen filialisierten Händlern, Herstellern, Importeuren, Marken, Endkonsumenten, Transportunternehmen, Mobilitätsplanern, Flottenanbietern und vielen mehr und dazu noch in verschiedenen Disziplinen wie Rennvelo, Gravel, Mountainbike, Alltag, Pendeln – das ganze motorisiert und nicht motorisiert – unter einen Hut zu bringen, ist ein Spagat, der fast nicht oder nur schwer machbar ist.
Muss die Eurobike nun um ihre Zukunft bangen? Das Vertrauen in Fairnamic ist angekratzt. Zwei der grössten Partner, der Zweirad Industrie Verband (ZIV) und Zukunft Fahrrad (ZF) haben nach der Messe das Gespräch mit den Austrägern der Messen, Fairnamic und Messe Frankfurt, gesucht und einen 10-Punkte-Plan mit konkreten Forderungen und Verbesserungsvorschlägen unterbreitet. Diesen hatten sie zusammen mit ihren Mitgliedern umgehend nach der Messe ausgearbeitet.
Die zentralen Forderungen des 10-Punkte-Plans
- Die Vielfalt des Fahrrad-Ökosystems soll sichtbar sein. Deshalb sollen Alltagsmobilität, Freizeit und Sport gleichwertig behandelt werden.
- E-Bikes sollen Kernbestandteil der Messe bleiben. Eine separate Messe sei kontraproduktiv.
- Schnelle E-Bikes und E-Cargobikes sollen integriert und nicht in eine separate Messe abgegliedert werden.
- Die Messe soll sich auf aktuelle Entwicklungen wie urbane Mobilitätslösungen, gewerbliche Nutzung, Flottenmanagement, Logistik, Sharing/Services und Kinder- und Familienmobilität konzentrieren.
- Die Eurobike soll stärker als Weltleitmesse mit globaler Relevanz und europäischem Charakter positioniert werden.
- Aussteller sollen mehr Möglichkeiten für die Beteiligung erhalten.
Gespräche ohne Ergebnis und ein Führungswechsel
Leider liefen die Gespräche zwischen Fairnamic auf der einen und ZIV und ZF auf der anderen Seite ins Leere. In einer gemeinsamen Presseerklärung haben Zweirad Industrie Verband und Zukunft Fahrrad die Kooperation mit der Eurobike für beendet erklärt. «Wir konnten nicht erkennen, dass beide Gesellschafter mit derselben Konsequenz Massnahmen unterstützen, die nötig wären, um die Messe zukunftsfähig für die Fahrradbranche aufzustellen», erläutert Bernhard Lange, ZIV-Präsidiumsmitglied, die Entscheidung.
Die Reaktionen auf das Aussteigen von ZIV und ZF gehen stark auseinander. Verbände und führende Unternehmen unterstützen den Schritt. Eines davon ist Bosch E-Bike Systems, das eine Teilnahme 2026 bereits ausschliesst. Mit Riese & Müller ist zudem auch einer der grössten Veloaussteller der vergangenen Eurobike ebenfalls ausgestiegen und wird an der kommenden Eurobike nicht vertreten sein. Kurz gesagt, die Lage bleibt sehr dynamisch und was bis im Juni passieren wird, steht noch in den Sternen.

Kurz vor Jahresende gab es nun einen zusätzlichen Paukenschlag. Mit einem spektakulären Wechsel in der Geschäftsleitung von Fairnamic, wurde Geschäftsführer Stefan Reisinger als CEO unerwartet abgelöst. Künftig wird ab 1. Januar 2026 Philipp Ferger von der Messe Frankfurt gemeinsam mit Stefan Mittag das Messeunternehmen führen. Die beiden Herstellerverbände ZIV und ZF sehen darin ein Signal für einen möglichen Neustart der Leitmesse.
Relevanz der Eurobike für Veloplus
Raphael Fassnacht, Leiter Einkauf und Produktmanagement bei Veloplus, unterstreicht die Wichtigkeit der Eurobike für die Velobranche. Sie stehe vor grossen Herausforderungen, denn das Veloumfeld sei hochdynamisch. Gerade deshalb brauche es eine starke Plattform für Austausch, Orientierung und Inspiration. «Für uns als filialisierter Velo- und Zubehörhändler bleibt die Eurobike grundsätzlich ein wichtiger Treffpunkt», so Fassnacht weiter, sie biete die Möglichkeit, Neuheiten verschiedener Hersteller kompakt zu erfassen und den direkten Dialog mit Entscheidungsträgern zu pflegen. Das sei wertvoll für die Sortimentsplanung und strategische Ausrichtung. Für Veloplus als Hersteller schaffe die Messe zudem die Möglichkeit, Produzenten und Zulieferer sehr einfach zu treffen und potenzielle Partner vor Ort zu bewerten.

«Wir würden es bedauern, wenn eine der bedeutendsten europäischen Plattformen für Innovation, Netzwerkpflege und Austausch weiter an Gewicht verlieren oder gar verschwinden würde. Entscheidend wird sein, ob die Messe so weiterentwickelt wird, dass sie für Händler und Industrie wieder an Attraktivität gewinnt.»
Raphael Fassnacht, Leiter Einkauf & Produktmanagement bei Veloplus
Die aktuelle Situation beobachtet Fassnacht eher kritisch und mit Zurückhaltung, vor allem mit Blick auf die Anzahl und Zusammensetzung der relevanten Ausstellenden. «Der Nutzen einer Messe hängt wesentlich davon ab, dass die relevanten Marken präsent sind und ein vollständiges Bild des Marktes vermitteln. Hier sehen wir im Moment eine Entwicklung, die für uns Fragen offenlässt.»
Eurobike 2026 soll stattfinden
Grundsätzlich soll die Eurobike 2026 in Frankfurt definitiv stattfinden und hinter den Kulissen wird alles daran gesetzt, um die Umsetzung im kommenden Jahr zwischen dem 24. und 27. Juni zu ermöglichen. Die Dauer wurde bereits von fünf auf vier Tage verkürzt. Weitere Wünsche und Anforderungen der Branche und der Verbände habe man umgesetzt oder plane, das zu tun. Dazu gehörten mehrere Beteiligungsoptionen für Ausstellende sowie eine Neuausrichtung des Kongressprogramms. Das Ziel, gemeinsam mit der Branche und den Partnern aus Industrie, Handel und Politik die zentrale Plattform Eurobike kontinuierlich weiterzuentwickeln und als Leitmesse zu stärken, sei unverändert.
Spätestens für die Ausgabe 2027 soll dann definitiv eine Neuausrichtung stattfinden. Unter anderem sollen auch ein neu gegründeter Messebeirat sowie zentrale Marktteilnehmer, Key-Aussteller und Branchenverbände noch stärker und aktiver in die strategische und konzeptionelle Weiterentwicklung der Leitmesse eingebunden werden.
Zweirad-Industrie-Verband ZIV
Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) hat seinen Sitz in Berlin und gilt als Interessensvertretung der Zweirad-Industrie in Deutschland. Er zählt rund 140 Mitglieder, darunter rund 90 % aller Fahrrad- und E-Bike-Produzenten in Deutschland.
Zukunft Fahrrad ZF
Zukunft Fahrrad (ZF) vertritt als Wirtschaftsverband die Interessen der Fahrradwirtschaft in Deutschland. Er zählt über 100 Mitglieder aus allen Bereichen der Fahrradindustrie. Ziel ist es, die Anwendungsmöglichkeiten des Fahrrads im Alltag, auf dem Arbeitsweg und im Wirtschaftsverkehr stetig zu erweitern.
Veloplus an der Eurobike 2025
Hier einige Impressionen vom Besuch von Veloplus an der Eurobike 2025.
Titelbild: EUROBIKE Frankfurt, Silke Magino
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