Graubünden: Postauto führt Reservationspflicht für Bikes ein

Wer in den Sommermonaten das Bike mit dem Postauto transportieren will, braucht neu eine Reservierung. Mit dieser Regelung orientiert sich Postauto Schweiz an der Velo-Reservationspflicht der SBB, die in der Velocommunity bereits für viel Unmut gesorgt hat.

Für den Biketransport mit dem Postauto benötigten die Reisenden bis anhin keine Reservierung. Das ändert sich nun, wie das Magazin Ride in diesem Beitrag berichtet: Der Fahrradtransport ohne Reservierung ist auf den Linien Chur-Laax, Chur-Lenzerheide und Lenzerheide-Davos ab dem 3. Juni 2024 nicht mehr möglich. Diese Reservationspflicht besteht zwischen dem 3. Juni und 20. Oktober 2024. Die Biker:innen können die Reservation über die SBB-App oder den SBB-Webshop lösen. Die Reservation kostet 2 Franken und kann bis kurz vor der Abfahrt vorgenommen werden, sofern die Plätze denn noch verfügbar sind.

Wer in Chur auf das Postauto umsteigt, kontrolliert besser schnell, ob auf der Linie eine Reservationspflicht fürs Velo besteht. Foto: Postauto Schweiz

Es handelt sich dabei um ein Pilotprojekt. Macht Postauto Schweiz damit gute Erfahrungen, soll dieses System ab 2025 in ganz Graubünden, im Wallis und im Berner Oberland eingeführt werden.

Eine erhebliche Attraktivitäts-Einbusse für Graubünden

Postauto Schweiz framet diese neue Regelung positiv: Dadurch würde der Ausflug entspannter und an Haltestellen würde kein Gerangel um freie Plätze entstehen. Biker:innen jedoch wissen, dass diese neue Regelung den Ausflug verkompliziert. Wenn man von A nach B fährt und nicht weiss, welches Postauto man in B erwischt, reserviert man gleich mehrere Verbindungen, damit ein Transport garantiert ist. Die reservierten Plätze der Verbindungen, die man nicht wahrnimmt, lässt man verfallen und so fahren auf dieser Strecke die begehrten Bikeplätze leer umher. Entspannter ist definitiv anders. Diese neue Regelung ist eine erhebliche Attraktivitäts-Einbusse für den Kanton Graubünden, das Mountainbike Paradies schlechthin.

Postauto folgt dem Beispiel SBB

Bereits die SBB sorgten mit der Einführung ihrer Reservationspflicht für grosse Empörung: Per 21. März 2021 führten sie die Reservationspflicht für Velos auf allen IC/EC-Linien ein. (Wir berichteten hier.) Verschiedene Interessensverbände, Veloaktivist:innen und Velo-Organisationen wehrten sich gegen diesen Entscheid. Die Hürde in Form einer Reservationspflicht, die den Velotransport mit dem ÖV teurer und komplizierter macht, ist ein Schritt in die falsche Richtung. Das nachhaltige Fortbewegungsmittel Velo, das eigentlich gefördert werden sollte, wurde durch diese kontraproduktive Massnahme ausgebremst. Auch hier ist die spontane Rückreise auf beliebten Strecken ausgeschlossen. Besonders amüsant ist es auch, wenn eine grössere Gruppe zusammen unterwegs ist und die Velos auf eine ganze Komposition aufgeteilt werden oder aber, wenn nur noch Veloplätze in der 1. Klasse verfügbar sind und man sich gezwungen sieht, weit weg von seinem Velo ohne Schloss hinzusetzen.

Guzzi geben, damit sie das Postauto mit ihrer Veloplatz-Reservierung nicht verpassen…

Nun zieht Postauto Schweiz leider mit derselben Idee nach. Diese neue Regelung ist für die Mountainbiker:innen in Graubünden eine Verschlechterung. Anstatt die Kapazitäten für den Transport auszubauen, wird eine Reservationspflicht eingeführt, deren Einhaltung das Leben der Biker:innen verkompliziert. Die Mountainbike-Tourismus-Hochburg Graubünden entwickelt sich somit definitiv in die falsche Richtung.



Follow us:

1 Kommentar

Frank
8. Juni 2024

Mehrere Plätze auf Vorrat reservieren und dann jammern

Aber dass man Reservierungen nicht stornieren kann, ist natürlich blöd

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Die Kommentare werden zuerst von uns gesichtet und freigeschaltet. Dein Kommentar erscheint deshalb mit Verzögerung.