Testbericht: Waschmittel für wasserdichte Sporttextilien

Für wasserdichte Textilien mit Membran gibt es spezielle Wasch- und Imprägnierungsmittel, welche deren Atmungsaktivität und wasserabweisende Qualitäten wiederherstellen sollen. Ein Test zeigt, das funktioniert nur begrenzt.

Ein Testbericht von Veloplus-Kundin Cornelia Bisch

Meine Tochter beklagte sich darüber, dass eine ihrer Regenjacken mit Goretex-Membran an einigen Stellen nicht mehr ganz dicht sei. Das ist ärgerlich, weil die Jacke noch nicht besonders viele Jahre auf dem Buckel hat und ziemlich teuer war. Was tun? Ratsuchend wende ich mich an die Experten von Veloplus. Dort empfiehlt man mir drei Flaschen der Marke Nikwax. Eine enthält das Flüssigwaschmittel «Tech Wash», eine das einwaschbare Flüssig-Imprägnierungsmittel «TX.Direct Wash-In» und eine das Imprägnierungsmittel zum Aufsprühen «TX.Direct Spray-On». «Diese Produkte regenerieren die Membrane, sodass ihre Schutzfunktion wiederhergestellt wird», erklärt mir der junge, versierte Verkäufer. Ich beschliesse, die Probe aufs Exempel zu wagen.

Nur zwei Stück auf einmal

Ohne die Gebrauchsanweisung auf den Flaschen zu studieren, sammle ich bei Freunden und der Familie erst mal weitere Sporttextilien ein, die einen Dichtewaschgang vertragen könnten. Ganz auf Sparsamkeit und Klimafreundlichkeit gedrillt, will ich die Trommel auch ordentlich füllen.

Als ich dann zur Tat schreite, lese ich das Kleingedruckte, das da preisgibt: «Maximal zwei Teile in die Waschmaschine geben». Oha. Ich suche zwei Kleidungsstücke aus – beides leichte Regenjacken – und starte den Vorgang gemäss unkomplizierter Anweisung auf der Flasche des Waschmittels. Für dieselben zwei Jacken führe ich direkt im Anschluss einen weiteren separaten Waschgang aus mit der Flüssig-Imprägnierung.

Nicht wie neu, aber stark verbessert

Frisch aus der Waschmaschine genommen, hänge ich die beiden Kleidungsstücke an je einen Bügel. Sobald sie trocken sind, sprühe ich sie zusätzlich ein mit dem Imprägnierungsmittel in Sprühform. Das sei nicht unbedingt erforderlich, hatte mir der Verkäufer von Veloplus erklärt. Man könne das eine oder das andere verwenden. «Mehr hilft mehr», denke ich und wende das Mittel trotzdem an. Dieses ist nach der Behandlung noch immer gut gefüllt.

Beide Jacken gehen anschliessend zurück zu ihren Eigentümern mit der Bitte um Rückmeldung bezüglich der potenziell neu gewonnenen Dichte und Atmungsaktivität. Anfänglich wasserdicht, nach einigen Stunden Ermüdungserscheinungen und beginnende Durchlässigkeit. Atmungsaktivität gut, stellt der testende Kollege prompt fest. «Es hat aber schon ordentlich geschüttet», räumt er ein. Besser und deutlich länger als zuvor habe die Jacke aber auf jeden Fall dicht gehalten. Auch die Tochter schildert ähnliche Erfahrungen, nachdem es erst mal eine Weile gedauert hat, bis sie überhaupt mit Niederschlägen in Berührung kam. Bei ihr jedoch musste sich die Jacke auf einer Skitour bewähren, wo sie die äusserste von vier Schichten darstellte und nur leichtem Schneefall trotzen musste. «Die Jacke hat den ganzen Tag prima dicht gehalten», resümiert sie. «Aber das war natürlich kein Hardcore-Regen.»

Fazit: Neu werden Membran-Textilien durch die Behandlung mit spezialisierten Pflegeprodukten nicht, aber ihre wasserabweisenden Qualitäten steigern sich doch deutlich. Wiederholt man die Prozedur regelmässig, kann die Lebensdauer der Textilien sicherlich verlängert werden.

Veloplus-Kundin und -Produkttesterin Cornelia Bisch.

Erfahre in unserem Ratgeber mehr zum Thema Regenbeikleidung


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4 Kommentare

Schenk
1. April 2023

Hallo an alle die möglichst lange eine funktionelle Bekleidung haben wollen.
Etwas Basishintergrundwissen:
Wieso atmungsaktive, weil die Beschichtung oder Membrane Löcher hat die kleiner als ein Wassermolekül sind deshalb kann der Schweiss nach aussen diffundieren solange er in dampfform ist und and die Umwelt abgegeben werden. Das funktioniert aber nur solange dass die Aussentemperatur nicht kleiner als der dampfförmige Schweiss ist. Der kondensiert bei tieferer Temp, und dann funktioniert das ganze System nicht mehr.
Wieso ist ein Gewebe wasserabweisend? Weil wir eine Substanz aufbringen die die Oberflächenspannung des Gewebes unter die Oberflächenspannung von Wasser bringt. Wenn nun die Oberflächenspannung des Gewebes tiefer ist als Wasser dann perlt Wasser ab.
Was lernen wir, die Membrane oder die Beschichtung hat Löcher die kleiner als die Wassermoleküle sind und die Oberfläche eine Oberflächenspannung die kleiner als Wasser ist, folglich ist das System zu einem gewissen grad Wasserabweisend und Wasserdicht. Aber nur solange wie wir keine mechanische Beschädigung dieses Systemes haben. 100% Atmungsaktivität und Wasserdichtigkeit gibt es nicht. Das ist immer ein Kompromiss.
Egal welche Chemie wir nehmen um die Oberflächenspannung des Gewebes herunter zu setzen die Wirkungsweise ist immer dieselbe, die Chemie ist nur mehr oder weniger effektive. Wir reduzieren die Oberflächenspannung mit Molekülketten, man kann sich das vorstellen wie eine Bürste. Diese «Bürstenmoleküle» haben nur eine bedingte Stabilität, sobald diese Moleküle wirr angeordnet oder desorientiert sind ist die Wasserabweisung weg, oder zumindest stark reduziert. Bei der Gewebeproduktion werden diese abstehenden Moleküle mittels Hitze ausgerichtet. Das ist ein ganz wichtiger Punkt.
Heisst beim Gebrauch können wir uns dieses Wissen zu Nutze machen und das Gewebe wieder reaktivieren, wenn wir dem Gewebe Wärme mittels Bügeln oder Tumbeln zuführen.
Die richtige Pflegeanleitung für solche Gewebe müsste demzufolge lauten:
Sparsam Waschen, nachdem sie mal nass geworden sind, die Bekleidung wieder einer Wärmebehandlung unterziehen. Sollte das gute Stücke mal gewaschen werden müssen, dann mit der halben der üblichen Menge Waschpulver, anschliessend nochmal waschen ohne Waschmittel, nur um sicher zu stellen, dass auch wirklich alle Seifenreste entfernt werden, die bewirken nämlich genau das Gegenteil der Imprägnierung. Dann das Kleidungsstück tumbeln und bügeln. Das funktioniert so lange wie genügend Imprägnier Chemikalien auf dem Gewebe verblieben sind, und die sind sehr sehr gut mit dem Gewebe verbunden. Erst wenn das nicht mehr hilft sollte man nachimprägnieren. Hier ist einem Spray Produkt aus ökologischer Sicht den Vorzug zu geben, da das Imprägniermittel auf den Gewebe verbleibt. Produkte, die in der Waschmaschine angewandt werden, werden immer zu einem gewissen % Satz direkt ins Abwasser gelangen wo sie eigentlich nichts verloren haben, sind doch all diese Produkte mehr oder weniger sehr stabil und verbleiben eine lange Zeit in der Umwelt, wo sie nichts verloren haben. Nach dem Imprägnieren nicht vergessen die Kleidungsstücke wieder einer Wärmebehandlung unterziehen, damit die Moleküle wieder geordnet werden und ihre Funktion so bessser erfüllen, auch wenn der Hersteller sagt dass es nicht nötig ist. Das wird nur erzählt, damit man mehr von der Chemie braucht als man tatsächlich brauchen würde.
Zusammenfassend, richtig gepflegt kann so ein Kleidungsstück seinen Dienst über Mehrer Jahre erfüllen ohne dass man zusätzliche Chemie braucht die nur die Umweltbelastet. Meine Goretex Jacke ist nun seit 14 Jahren im Gebrauch beim Gassigehen mit unserm Hund. In all dieser Zeit wurde sie noch nie nachimprägniert, ich pflege sie nur gemäss obiger Anleitung.

    Veloplus – Roger Züger
    4. April 2023

    Hoi Schenk
    Vielen Dank für deine Ausführung und das theoretischen Wissen, das du mit unserer Community teilst. Da gibts grundsätzlich nichts mehr hinzuzufügen.

    Allerdings gibt es beim Bügeln wichtige Punkte zu beachten, die hier unerwähnt sind. Denn gebügelt werden sollte mit niedriger Temperatur, und immer ohne Dampf! Ebenfalls sollte das Bügeleisen nicht direkt auf die Funktionsbekleidung aufgelegt werden, sondern mit einem Tuch dazwischen, um die Membrane nicht zu beschädigen.

    Für alle, die weitere Informationen nach dem Waschgang haben möchten, empfehle ich folgende Seite von Gore Tex: https://www.gore-tex.com/de/service/pflege/oberbekleidung

    Beste Grüsse

Digi Lou
3. April 2023

Vielen Dank an Kommentator:in Schenk! Das war richtig hilfreich, v.a. der Hinweis mit dem Bügeln, Tumblen.

Werthmüller Adrian
3. April 2023

An Schenk:
Besten Dank für die aufschlussreiche Info. War mir eh nie so richtig wohl bei der Vorstellung die ganze Imprägnierchemie „den Bach runterzuspülen“.
Bei welchen Temperaturen hast du gewaschen und insbes. getumblert?

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