Überholen ja, aber bitte mit Ab- und Anstand

Donnerstag 25. Juli 2019

Author: Roger Züger by Veloplus

Verantwortlicher Content Marketing und Kommunikation

Velofahrende werden immer von Kraftfahrzeugen überholt. Das war gestern so, ist heute noch so und wird sich auch morgen nicht ändern. Ändern muss sich allerdings der Abstand, wie eine Studie zeigt. Helfen soll die Petition Abstand ist Anstand – und Ihre Unterschrift.

In der Schweiz wird mit zu wenig Abstand überholt. Über zwei Drittel der Velofahrenden berichten, dass sie regelmässig knapp überholt werden! Deshalb wird ein Gesetz für einen Mindestabstand von 1,5 Meter beim Überholen eines Velos gefordert. Denn: Abstand ist Anstand! Stimmt oder? Dann liegt hier die Petition zum Unterzeichnen bereit.

Erschreckende Studienergebnisse: Bei 56 Prozent der Überholvorgänge lag der Abstand unter 150 Zentimeter.

Das zu knappe Überholen eines Velofahrenden ist gefährlich und unanständig. Aber Fakt ist: Jeder zehnte Velounfall passiert, weil Velofahrende von anderen Fahrzeugen überholt werden, wie eine Studie aus Deutschland bestätigt. In der Studie wurden freiwillige Radfahrer in Berlin mit Sensoren ausgestattet. Diese haben den Abstand zu den überholenden Kraftfahrzeugen gemessen, und mittels Singal ans Smartphone ein Foto schiessen lassen, falls der Abstand zu gering war. Nach gut zwei Monaten haben die Testpersonen knapp 17 000 Überholmanöver registriert. Das Resultat: 56 Prozent aller Überholvorgänge verzeichneten einen geringeren Abstand als 150 Zentimeter. Die interessante und grafisch einwandfrei aufbereitete Studie aus Berlin gibt’s hier. Und wenn schon auf den breiten Strassen Berlins die Abstände nicht sind wie sie sein sollten, kann man sich nur ausmalen, wie das Resultat auf den (engen) Strassen in den Schweizer Städten aussähe …

Weshalb 1,5 Meter?

Ob mit weniger oder mehr Abstand überholt werden soll, kommt auf Umstände wie Geschwindigkeit oder Nässe an. 1,5 Meter haben sich als guter Durchschnitts- und deshalb als Richtwert erwiesen. Letztlich geht es nicht darum, einen starren Wert zu haben, sondern um das Bewusstsein, dass Velofahrende auf der Strasse ihren Platz brauchen. Damit soll das Risiko, durch ein überholendes Auto touchiert zu werden, vermieden werden. Zudem: 1,2 Meter ist ungefähr das, was unserer «persönlichen Distanz» entspricht. Fremde lassen wir nur ungern in diesen Raum und empfinden das als unangenehm, erst recht, wenn es sich um ein tonnenschweres Gefährt handelt, das mit 80 km/h vorbei rauscht. Abstand ist eben Anstand!

Wer sich mit der Materie vertieft auseinandersetzen will, findet hier relevante Fakten.

Weshalb ein Gesetz?

In der Schweiz wird im Vergleich zu Ländern, wo ein Mindestabstand gesetzlich vorgeschrieben wird, tendenziell knapper überholt. Die heutige gesetzliche Regelung, dass mit «ausreichendem Abstand» überholt werden soll, genügt nicht. Diese Formulierung macht es auch praktisch unmöglich, sogenannte Beinahunfälle zu ahnden. Es ist (fast) nicht möglich, zu beweisen, dass zu wenig Abstand eingehalten wurde, besonders wenn es um das eigene Sicherheitsempfinden geht. Die Folge: Viele empfinden den Verkehr als gefährlich und verzichten auf das Velofahren. Dabei geht es nicht primär darum, Fehlverhalten zur Anzeige zu bringen, sondern darum, Automobilisten entsprechend zu schulen. Und was im Gesetz steht, wird auch in den Fahrschulen beigebracht und kann von der Polizei entsprechend kontrolliert werden.

Was sagt der Bundesrat dazu?

Nationalrat Matthias Aebischer unterstützt Abstand ist Anstand, im Bild mit der Badenudel-Aktion.

FDP-Nationalrat Rocco Cattaneo befürwortet einen Mindestabstand und reichte deshalb am 14. Dezember 2018 eine Motion beim Bundesrat ein. Doch die Antwort des Bundesrats, welche bereits am 27. Februar 2019 erfolgte, fiel wie bei der Interpellation des Nationalrats Matthias Aebischer am 14. Februar 2018 erneut negativ aus und wiederholte sich lediglich. Darin behauptet der Bundesrat in Unkenntnis der Fakten noch immer, dass ein Überholabstand nicht gemessen werden könne. Die Motion muss noch im Parlament behandelt werden.

Gemeinsam handeln. Jetzt.

Helft uns, für mehr Abstand zu sorgen und das Velofahren sicherer zu machen. Unterzeichne die Petition «Abstand ist Anstand» und verleihe dem Anliegen deine gewichtige Stimme. Die Kampagne wurde durch Pro Velo Thurgau initiiert und wird von Pro Velo Schweiz und vielen weiteren Organisationen – darunter Veloplus – unterstützt. Um Erfolg zu haben, sind wir aber auf jede Unterschrift angewiesen; auch auf deine.

Überzeugt? Dann unterzeichne jetzt hier.

 

Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 25. Juli 2019 um 13:51 und abgelegt unter Allgemein, Engagement, News, Velopolitik. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

30 Kommentare über “Überholen ja, aber bitte mit Ab- und Anstand”

  1. Thierry Dasen schrieb:

    Werde sehr oft in ungenügendem Abstand überholt, und zwar vom LKW mit Anhänger über den Linienbus, den PKW zum Motorrad/-roller. Das krasseste erlebte ich bei eigenen 40 km/h, als ein PKW-Lenker mich bei geschätzten 130 km/h ausserorts überholte, um nicht mit dem entgegenkommenden Verkehr zu kollidieren. Abbremsen war bei diesem Tempo für ihn natürlich keine Alternative mehr!

    Ich plädiere für Abstände von min. 100 cm innerorts und 150 cm ausserorts.

  2. Markus schrieb:

    Ich wünsche mir mehr Rücksicht auf der Strasse. Wieso steigen die Leute ins Auto und sind dann wütent auf alle anderen, wenn sie zu spät ankommem. Ich nehme auch Rücksicht auf die anderen, obwohl ich teileise anhalten muss, wenn am Sonntag die Leute zu viert nebeneinander auf dem Veloweg spazieren gehen. Das rechtfertigt nicht, dass man eine Verletzung oder den Tod anderer Leute in Kauf nimmt. Ein blöder Spruch tut hingegen nicht weh 😉

  3. Allgaier schrieb:

    150cm mindestens!

  4. Walter Züst schrieb:

    Dass Lastwagen zu wenig Abstand lassen ist meines Erachtens extrem selten, auch PKW nehmen meist Rücksicht – vorausgesetzt man fährt selbst nicht ganz rechts! Mit zu knappem Abstand werde ich aber primär von E-Bikes überholt, das mehrmals täglich (innerorts) und oft mit Abstand Null (= leicht gestreift). Die hören wenigstens den nachgeschickten Fluch.

  5. Peter Ramseier schrieb:

    Dieses Gesetz ist längst überfällig. Vernünftiges Überholen ist kaum mehr feststellbar und offenbar auf freiwilliger Basis nicht zu erreichen.

  6. Dennis Lagemann schrieb:

    De-Eskalation, wäre besser als immer neue Gesetze, die die Verkehrsteilnehmer nur weiter gegeneinander aufbringen. Innerorts sind 150cm oft gar nicht einzuhalten. Ergebnis sind Autofahrer die mit 200 hinter einem herfahren (Blutdruck) und fast vor Aggression explodieren. Man kann den Moralischen geben, aber es liegt in der Natur des Menschen ein Idiot zu sein. Ich finde es besser einen geringeren Abstand zu erlauben, aber darauf zu achten, dass Autofahrer nicht mit heulendem Motor und Vollgas an Velofahrern vorbeiziehen, wobei sie nicht nur fast die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren sondern uns auch noch ihre Abgasfahne ins Gesicht blasen – und hinterher noch oft genug auf die Bremse treten, weil sie merken, dass der Feind, der böse Velofahrer, ja gar nicht so langsam war.

  7. Jörg Ryser schrieb:

    Und die eBiker? Man hört sie als Velofahrer nicht und sie sind im Velo-Rückspiegel viel schlechter erkennbar. Überholen zT mit Fullspeed bei 20cm Abstand. Anstand? Fussgänger leiden unter Velorasenden und eTrottis in der City. Zuerst mal das eigene „langsame“ Lager disziplinieren. Die Spaghetti-Aktion ist völlig daneben, solange das Rowdytum auf zwei Rädern zunimmt.

  8. Ursula Bindschädler schrieb:

    Was ist eigentlich aus der „Abstandskelle“ für die Velos geworden, welche einst gang und gäbe war?

  9. Hanspeter Aeberli schrieb:

    Ich fahre (beruflich) Lastwagen und Auto, bin ab und zu mit dem Töff und mehr als 12000 Km pro Jahr mit Bike und Rennvelo unterwegs. In die Problematik des (zu) knappen Überholabstandes kann ich mich als teilweise selber Betroffener gut einfühlen, sehe aber beide Seiten: ausserorts können 1,5 Meter zu knapp sein (oder werden als das empfunden) Innerorts dürfte in der Praxis ist ein fixer Wert von eineinhalb Metern zu einem Überholverbot von Velofahrern führen. Aus diesem Grund bin ich auch gegen eine starre gesetzliche Regelung.

  10. Martin schrieb:

    In Spanien ist 1.50 m zwischen Motorfahrzeug und Velo Gesetz und es wird sogar scharf geprüft und gebüsst! nur, was wenn die Strasse zu schmal und mit ausgezogener Mittellinie und sehr belebten ist, dann ist derjenige Autofahrer der bis zur nächsten Ausweichstelle hinter dem Fahrrad bleibt einem Hupkonzert ausgeliefert.
    Da gehören Velowege hin, und nicht neue Gesetze. Ein erster Schritt wäre die Trottoirs mit den Fussgängern zu teilen. Geht auch nicht überall!

  11. Malacrida Ivano schrieb:

    Noch ein Gesetz? Nein Danke. Rücksicht muss von beiden Seiten kommen und nicht mit neuen Gesetzen. Bin selber viel mit dem Rad unterwegs. Sicher auch nicht immer ganz korrekt. Aber sehr wachsam und Augen weit offen. Mehr gute Radwege wären zu wünschen, nicht neue Gesetze. Bin schliesslich auch Autofahrer.

  12. Josef Pfiffner schrieb:

    Wo gibt es bei Gegenverkehr Platz für Abstand 1.5 m. Ich fahre immer ganz rechts und werde sehr selten mit mehr als 1 m Abstand überholt. Meisten sind 60-80 cm. Aber auf jeder Tour 1-2 mal mit unter 30 cm. Diese knappen Abstände ereignen sich fast immer Innerorts, mit wenig Verkehr.

  13. EinTraum schrieb:

    Man fahre mal Biberbrugg – Schindellegi. Zwei Autospuren, ein superschmaler Radstreifen. Natürlich wird da schneller als die erlaubten 80 gefahren. Wenn die Autos auf dem rechten Streifen fahren, kann man von 1.5m nur träumen, da die Spuren viel zu schmal sind. Da ist es schlicht lächerlich, dass sich Einsiedeln und der Kanton Schwyz als Raddestination profilieren möchte mit einer Tour de Suisse Ankunft. Andere Kantone können dies besser. Man reduziert hier lieber die Motorfahrzeugsteuer, ald hier endlich einen Zustand zu schaffen, der den Richtlinien entspricht. Jetzt wurde wieder ein Unterhalt gemacht, aber die Spuren sind keinen deut breiter…

  14. Martin Eggenberger schrieb:

    Badenudel heisst die neue Abstandskelle

  15. Daniel Moser schrieb:

    Bin gerade auf einer Velotour vom Nordkap zurück in die Schweiz. In Norwegen könnten wir Schweizer Beispiel nehmen. Ich weiss nicht ob der Abstand von 1,5 m gesetzlich vorgeschrieben ist. Aber ich werde praktisch nie überholt, wenn ein Fahrzeug entgegenkommt. Es wird gewartet bis die Gegenspur frei ist. Und dann gehen die Autofahrer, vor allem auch Lastwagen oder Busse auf die Gegenfahrbahn. Einfach super. Die einzigen, die dieses Verhalten nicht immer einhalten, sind Touristen mit Camper. Es kostet ja nichts abzubremsen und einem mit entsprechendem Abstand zu überholen und zwar nur wenn die Gegenfahrbahn frei ist. Auch ich bin ein leidenschaftlicher Autofahrer und versuche dieses verhalten in der Schweiz einzuhalten. Nochmals es kostet nichts…! Ich möchte wirklich nicht einen Unfall mit einem Velofahrer verursachen. Ob es dazu ein Gesetz braucht, kann man sich streiten. Aber Sicherheit zugunsten Velofahrer hat erste Priorität.

  16. Stefan Schriber schrieb:

    Autofahrer können sich ja mal visualisieren, dass sie bei Tempo 50 von einem TGV in 50cm Abstand mit 200km/h überholt werden. Was denkt ihr? Erschrickt man und hat das Gefühl es waren nur 10cm?
    Es liegt also ganz sicher auch am Tempo und nicht nur am Abstand. Wenn man merkt, dass überholt werden will, ist schon sehr viel geholfen, so können die Italiener z.B liebevoll hupen, anstatt genervt. So kann man sich auf verschiedene Weise bemerkbar machen.

  17. Jürg von Salis schrieb:

    In Frankreich ist dieser Abstand schon lange Vorschrift. Die Autofahrer sowie die LKW-Fahrer respektieren dies. Ich bin viel in Frankreich mit dem Rad unterwegs und fühle mich hier sehr wohl. Der Grund ist aber, dass in Frankreich die Radfahrer respektiert werden (sicher trägt die Tdf viel dazu bei), was ich in der Schweiz sehr vermisse. Dann empfinde ich den Verkehr in Frankreich nicht so aggressiv wie in der Schweiz. Auch das Verhalten gegenüber Fussgängern ist hier vorbildlich. Man scheint viel ruhiger und überlegter zu sein. Zudem besteht ein dichtes Netz von Velowegen auf dem Lande und in den Städten. In vielen Städten kann zudem die Busspur auch von Velos benutzt werden. Überall auf dem Lande findet man Gebotstafeln, die auf diesen Abstand hinweisen sowie, dass die Radfahrer respektiert werden sollen oder dass die Strasse mit den Radfahrern geteilt werden soll. Ein Gesetz für diesen Mindestabstand von 1.50 m ist dringend nötig

  18. Maria schrieb:

    Ich habe z.T auch sehr schlechte Erfahrungen mit zu knapp überholenden Autos. Bei uns gibts eine Brücke, bei der extra eine doppelte durchzogene Mittellinie gemacht wurde deswegen, weil sehr schmale Strasse und mit Kreuzung vor und nach Brücke, zudem Schulweg. Trotzdem überholen rund 80% der Autos und wenn man was sagt, gibts Stinkefinger und Hupkonzert. Ich wäre schon froh, wenn 1m eingehalten würde. Generell habe ich den Eindruck, das viele Autofahrende das Gefühl haben, die Strasse gehöre in erster Linie ihnen, die andern sind nur geduldet. (Fahre auch Auto, aber eben v.a. Velo, seit 40 Jahren!)

  19. Stephan Bitterli schrieb:

    Das mit den Berliner Abstandsensoren ist eine gute Sache; mit geringfügigen Modifikationen machen diese jedes Abstandsgesetz überflüssig: wer beim Überholen die 150cm unterschreitet, bekommt aus der Farbspraydose eine nette Erinnerung daran, dass Abstand = Anstand bedeutet!

  20. Dina Liechti schrieb:

    Ich bin strikt dagegen. Denkt niemand daran, dass dies auch für entgegenkommende Fahrzeuge gelten müsste? Die grossartigste Errungenschaft für Velofahrer wäre doch, wenn endlich die vielen Einbahnstrassen in Wohngebieten in Gegenrichtung generell freigegeben würden. Dieses Thema wäre dann für immer gestorben. Ein solches Gesetz, das von vornherein ausschliesst, das Autofahrer auch vorsichtig überholen können, wird für die Velofahrer megamässig nach hinten losgehen.

  21. Niggi Meyer schrieb:

    Wenn ich mit dem Velo rechts dem Strassenrand entlang fahre, haben die Autos genügend Platz!
    Wenn ich die Grafik mit dem Velo und dem Auto anschaue, hat das Velo zum Strassenrand mindestens 1 Meter Platz. Also, lernt rechts und gerade zu fahren!
    Ich kann das und kenne zu nahes überholen der Autos nicht.

  22. Ernst Jaggi schrieb:

    noch besser wäre, den Langsamverkehr ganz vom motorisierten Verkehr zu trennen mit Radstreifen & Radwegen- wie zB in München.
    Als Sofort-Massnahme begrüsse ich den Mindestabstand.
    Problematisch sind vor allem schmale Strassen, wo Autofahrer dann oft nicht gewillt sind, abzubremsen & dann auf gut Glück überholen.
    Wo sind eigentlich die früher eingesetzten orangen Distanz-Kellen geblieben ?

  23. Rudolf Schneiter schrieb:

    Am 4. Juni 2019 wurde ich von einem Lastwagen mit Anhänger in einer Unterführung so knapp überholt, dass ich von der hinteren Ecke des Anhänger an meinem Lenkerspiegel gestreift wurde. Dies führte zu einem Sturz mit fatalen Folgen – gebrochenes Wadenbein und angerissene Bänder am Knie – von dem der Chauffeur bei dem frevelhaften Manöver anscheinend nichts bemerkt hat.1,5 Meter Abstand wären gut aber in der Praxis kaum zu kontrollieren – auch PW- und Bus-Fahrer überholen oft zu knapp selbst wenn genügend Platz wäre. Auch sollten nicht immer noch mehr fahrradähnliche Vehikel zugelassen werden !

  24. Heinz Gross schrieb:

    Fahre selber LKW, Auto, Motorrad und Rad.
    Ist irgendwie seltsam, wie die Wahrnehmung sich ändert wen gewisse Leute vom Auto aufs Rad umsteigen. Was als abstand mit dem Auto genügt, empfindet derselbe Lenker mit dem Rad als zu gering.
    Dabei provozieren die vom Velo Lobby geforderten Radstreifen entlang der Strasse das knappe überholen. Sie provozieren das Gedankengut, (nach Gesetz ist dieses mein Bereich und das ist dein Bereich).
    Zu dem Abstand. Beim Überholen ist 1 Meter Abstand jetzt schon Gesetz. Der reicht wen ( beide) Rad und Autofahrer sich mit Vernunft begegnen. Mit einem Meter Abstand muss die Strassen Breite bei einem LKW Überholmanöver, (Belagsrand bis Rad Lenker 0.20 m, Rad = 0.75 m, Abstand 1.00 m, LKW 2.5 m, Lkw reifen bis Belags Rand 0.20 =ergibt Minimum Strassenbreite 4.65 Meter. mit 1.5 Meter Abstand sind wir schon bei über 5 Meter Breite angelangt.
    Da bekommt der Satz das überholen wolle man nicht verbieten ein schlechter Beigeschmack.

  25. Paul schrieb:

    Als Radsportler bin ich so einiges gewohnt und könnte hier Bände schreiben.
    Es gibt Autofahrer, die absichtlich knapp überholen, um das „Fehlverhalten“ des Velofahrers zu bestrafen (du fährst zu sehr in der Mitte, du darfst hier gar nicht fahren, du hältst den Verkehr auf, … oder eben: du störst, ich will Gas geben! – das ist v. a. auf Pässen häufig der Fall). Lustig ist dabei, dass gerade die aggressiven Autofahrer oft völlig verquere Vorstellungen von Verkehrsregeln haben. Z. B. hat mich mal eine junge Autofahrerin belehrt, Kantonsstrassen dürften von Velofahrern ausserorts nicht befahren werden. Oder das leidige Thema Kreisel, wo sich (meist ältere) Verkehrsteilnehmer ärgern, wenn Velofahrer in der Mitte der Fahrbahn fahren, um nicht überholt zu werden und dann riskante Überholmanöver einleiten. etc. etc.

    Eine klare und griffige Regelung ist unbedingt nötig! Dabei geht es mir als Familienvater nicht um das Recht, sondern um die Sicherheit.

  26. Heinz Schiesser schrieb:

    Der Ueberhol-Reflex in den Köpfen der Autofahrer muss überwunden werden. Oft ist dort der Bremsreflex gar nicht aktiv. Ich habe oft das Gefühl, dass ein Velo als quasi stehendes Hindernis wahrgenommen wird. Mindestabstand ist eine mögliche Lösung, Warnwesten mit „1,5 Meter & Pfeil“, oder Warnweste mit „I am a DRIVER“ könnte als Erinnerung nützlich sein.

  27. Tom schrieb:

    Ich möchte nichts am teilweisen Verhalten der motorisierten Verkehrsteilnehmer beschönigen, aber unsere Infrastruktur ist so schlecht die Radfahrer ausgelegt das es z.T. provoziert wird knapp zu überholen z.B. bei Radstreifen. Vieles ändert wenn man mal die Perspektiven wechselt, als Radfahrer mal in ein LKW einsteigen und im Strassenverkehr mitfahren, als Automobilist mal aufs Rad schwingen und sich knapp überholen lassen…

  28. Helena schrieb:

    Wo es keinen Platz hat zum Überholen, fahre ich (vorübergehend, z.B. bei Fussgängerinseln) mittig. Das kann ich mir aber auch erlauben, da ich ein schnelles E-Bike habe und gerade innerorts ist Überholen generell meistens sinnlos, da der Velofahrer einen eh an der nächsten Ampel wieder einholt. Und wenn 30 ist, fahre ich auch 30, dann darf man mich eh nicht mehr überholen (trotzdem machen es immer noch einige, unglaublich dieser Überholzwang!) Man darf aber auch selber nie ganz rechts am Rand fahren, das lädt leider förmlich zum Überholen in der gleichen Spur ein! Nehmt Euch Euren Platz. Und: ein Rückspiegel mag unschick aussehen, hilft aber ungemein, Gefahren rechtzeitig zu sehen.

  29. Rolf Weibel schrieb:

    Wohne an einer sehr schmalen Durchgangsstrasse, mit Steigung. Grosser Quartierladen oben. Mehrmals kritische Situationen beim Einkaufen durch viel zu knappes überholt werden von Autos bei Gegenverkehr. Seither fahre ich grundsätzlich mit 80 bis 100 cm Abstand vom Strassenrand. So ist Überholen durch Autos unmöglich. Das braucht allerdings kühle Nerven, aber bringt Sicherheit.

  30. André Suter schrieb:

    Viele Autofahrer sind unglaublich ungeduldig: Statt zu warten, bis die Strasse wieder breiter wird, um mit genügend seitlichem Abstand überholen zu können, drängen sie an einem vorbei. Das Problem verschärft haben die überbreiten Autos: „Einer Auswertung des CAR-Instituts der Universität Essen-Duisburg zufolge hat die Breite der Autos seit 1990 um zwölf Zentimeter zugenommen. Waren Neuwagen 1990 im Durchschnitt 1.68 m breit, waren es im vergangenen Jahr (2017) 1.80 m.“ (Süddeutsche Zeitung, 7. Mai 2018, „Wagen werden immer breiter“).
    Wenn es auch für ein knappes Überholen nicht mehr reicht, „hocken“ einem die Autofahrer im Nacken: sie schliessen so knapp auf, dass sie nicht mehr rechtzeitig bremsen könnten und mich überfahren würden, wenn ich stürzen würde. Dass der Bundesrat eine Regelung ablehnt, ist für mich unverständlich. Auch wenn eine solche Regelung schwierig zu kontrollieren wäre, hätte sie doch eine Signalwirkung. Wer in Frankreich Velo fährt, merkt, dass man dort in der Regel mit wesentlich grösserem seitlichem Abstand überholt wird. In Frankreich ist ein Überholabstand von 1 m innerorts und 1.5 m ausserorts vorgeschrieben: «Il ne doit pas en tout cas s’en approcher latéralement à moins d’un mètre en agglomération et d’un mètre et demi hors agglomération.» (www.codes-et-lois.fr/code-de-la-route/article-r414-4).

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