Bosch 2020: für jedes E-Bike den massgeschneiderten Antrieb

Mittwoch 19. Juni 2019

Author: Seraina Schmid by Veloplus

Praktikantin Social Media & Kommunikation

Zum Modelljahr 2020 überarbeitet Bosch die wichtigsten Antriebe für E-Bikes und lanciert überraschende neue Produkte für weitere Zielgruppen. Mit cleveren Features werden zudem die Möglichkeiten der Elektronik am Elektrovelo noch besser ausgereizt als bisher.

2010 stellte Bosch den ersten Antrieb für Elektrovelos vor und verhalf damit der jungen Velokategorie nochmals für viel Schub. Bosch paarte dabei einfache Bedienung mit zuverlässiger Funktion und ansprechender Optik. Der gute Ruf des deutschen Autozulieferers und hohe Produktionskapazitäten sorgten dafür, dass die Bosch E-Bike-Systems rasch sehr populär wurden.

Für jedes E-Bike den passenden Antrieb

Pünktlich zum 10-jährigen Jubiläum stellt Bosch nun die vierte Motorengeneration vor. Der führende Antriebshersteller überarbeitet seine bekannten Produktlinien Performance Line und Performance Line CX gründlich, und stellt zusätzlich zwei neue Antriebe für Transportvelos unter dem Namen Cargo Line vor. Das Ziel von Bosch: Für jede Zielgruppe den passenden Elektrovelomotor anzubieten.

Gemeinsam ist allen Antrieben, dass sie neu über einen Freilauf am Motor verfügen. Dadurch werden Motor und Getriebe vollständig entkoppelt, wenn der Antrieb bei der Tempolimite von 25 km/h oder 45 km/h nicht mehr unterstützt. Bei abgeschaltetem Motor soll sich das E-Bike damit so leicht bewegen lassen wie ein herkömmliches Velo ohne Hilfsantrieb. Sportliche Fahrerinnen und Fahrer werden diese Neuerung besonders schätzen. Für sie ergibt sich so ein natürliches Fahrerverhalten, wenn sie aus eigener Kraft ein Fahrtempo erreichen, das über der gesetzlichen Limite liegt. Bosch verspricht, dass durch diese neue Konstruktion alle Motoren der vierten Generation deutlich leiser sind als ihre Vorgänger. Das bisher charakteristische Motorgeräusch der Bosch-Antriebe soll damit praktisch wegfallen.

Agiler, leichter, schöner

Neu ist auch, dass Bosch die Motoren leichter und kleiner baut. Um satte 25 Prozent hat Bosch das Gewicht bei der Performance Line CX und der Performance Line Speed gesenkt: Die Motoren wiegen etwa 2,9 Kilo und sind damit rund ein Kilo leichter als die zweite Antriebsgeneration. Das wird sich spürbar auf das Gesamtgewicht von E-Bikes auswirken und auch zu einem leichteren Handling beitragen, das dem eines motorlosen Velos näher kommt. Der geringere Platzbedarf der Motoren sorgt dafür, dass sie sich harmonischer ins Gesamtdesign der Elektrovelos einpassen lassen. Beim Mountainbike-Antrieb Performance Line CX sorgt die um knapp die Hälfte geringere Grösse dafür, dass sich die Bodenfreiheit verbessert und der Antrieb im rauen Gelände weniger schnell auf dem Untergrund aufsetzt.

Performance CX verleiht dem E-MTB noch mehr Schub

Performance Line CX
Performance Line CX

Der Performance Line CX Motor wird ab 2020 noch konsequenter als bisher für E-Mountainbikes ausgelegt und schiebt im Gelände noch kräftiger an. Das maximale Drehmoment des Motors bleibt zwar bei 75 Newtonmeter, doch die höchste Unterstützung steigert Bosch von 300 auf 340 Prozent. Bosch verspricht, dass der Antrieb seinen Nutzern dadurch zu einem dynamischeren Fahrverhalten ab dem ersten Tritt verhilft und zu mehr Agilität im Gelände. Die geringere Baugrösse des Antriebs erlaubt es Veloherstellern, kürzere Rahmen zu bauen, wodurch sich die Geometrie und damit das Fahrverhalten eines E-Bikes mit Bosch-Antrieb denjenigen eines motorlosen Mountainbikes annähern. Technikfreaks werden mit Freude zur Kenntnis nehmen, dass Bosch das kleine Antriebsritzel kippt und an der Performance Line CX der neuen Generation normal grosse „Direct Mount“-Kettenblätter oder solche mit einem Standard-Lochkreisdurchmesser von 104 mm befestigt werden können. Dadurch sinkt der Verschleiss und die Kette läuft auch in grobem Gelände ruhiger.

Kräftige Unterstützung bei Performance Line Cruise und Speed

Die Performance Line für die Strasse gibt 2020 wie bisher in einer Cruise-Version mit Tretunterstützung bis 25 km/h und einer Speed-Version mit Tretunterstützung bis 45 km/h. Auch diesen beiden Antrieben verpasst Bosch tüchtig mehr Kraft: Sowohl das maximale Drehmoment (75 statt wie bisher 63 Nm) wie auch die maximale Motorunterstützung (300 Prozent bei Cruise und 340 bei Speed statt wie bisher 275) werden erhöht. Dank dieses zusätzlichen Schubs soll das Fahrverhalten lebendiger und dank einer feineren Sensorik auch natürlicher werden. Davon sollen sowohl E-Mountainbikes wie auch kräftige E-Trekkingvelos und schnelle Pendler-Elektrovelos profitieren.

Performance Line Speed
Performance Line
Performance Line

Erstmals eigene Antriebe für Cargobikes

Komplett neu ist 2020 die Cargo Line. Mit dieser neuen Produktgruppe reagiert Bosch auf den Umstand, dass Transportvelos im deutschen Heimmarkt zur Zeit regelrecht boomen. Um die zusätzliche Ladung rasch auf ein angenehmes Fahrtempo bringen zu können, unterstützen die Cargo Line-Antriebe mit bis zu 400 Prozent und mit einem Drehmoment von bis zu 75 Nm. Auch diesen Antrieb liefert Bosch in einer Cruise-Version mit Tretunterstützung bis 25 km/h für E-Bikes, die ohne Zulassung und Fahrausweis gefahren werden können und in einer Speed-Version mit Tretunterstützung bis 45 km/h für schnelle Elektrovelos, die eine Mofanummer und den entsprechenden Führerschein benötigen.

Cargo Line Speed
Cargo Line

Bedarfsgerecht erweitertes Akku-Angebot

PowerTube 625
PowerTube 400

Für alle Antriebe gibt es ab dem Modelljahr 2020 zwei zusätzliche Akku-Optionen. Mit dem PowerTube 625 steigert Bosch die Kapazität gegenüber den bisher grössten angebotenen Akkus um einen Viertel. Ein Wehrmutstropfen ist, dass es diese Leistungssteigerung nur in einer Ausführung gibt, die in entsprechend vorbereitete Rahmen passt. Weil die zusätzliche Akkuzellen mehr Platz brauchen, lässt sich der neue PowerTube 625 nicht an vorhandenen Elektrovelos mit Bosch-Antrieb nachrüsten. Anders sieht es mit dem neuen PowerTube 400 aus. Dieser Akku für die integrierte Montage ins Unterrohr kann auch anstelle eines integrierten Standard-Akkus von Bosch mit 500 Wattstunden Kapazität an einem E-Bike mit Bosch-Motor der letzten Generation eingebaut werden. Als Vorteile nennt der Antriebshersteller das geringere Gewicht von knapp 2,9 Kilo dieser Elektrovelobatterie. Dadurch biete sich der PowerTube 400 als Reserve-Akku für längere Touren an, so Bosch.

Optionen erweitern den Nutzen

SmartphoneHub

Als kleine, aber feine Neuerungen stellt Bosch zudem einen SmartphoneHub vor. Das Elektrovelo erhält via Handy damit eine Schnittstelle zu Fahrdaten-Apps wie Apple Health, Strava oder komoot. Zudem kann das Handy einfach als Bordcomputer, Herzfrequenz-Messgerät und Navigationshilfe genutzt werden. Am SmartphoneHub können Fachhändler zudem auch Diagnosegeräte anhängen, was die Fehlersuche oder das Update mit einer aktuellen Steuerungs-Software künftig vereinfacht. Clever gemacht ist der zusätzliche Diebstahlschutz, den Bosch neu als Option anbietet. Wird das zum System gehörende Kiox-Display abgezogen, bleibt der Antrieb ausgeschaltet. Auch wenn ein Dieb ein anderes Bosch-Display einsetzt, bleibt die Tretunterstützung aus und das gestohlene Elektrovelo verliert seinen Wert.

Lock 2

Auch im Angebot von Veloplus ein Thema

Bei der Präsentation von Bosch wurden lediglich die neuen Antriebe für das Modelljahr 2020 vorgestellt, und noch keine E-Bikes von den verschiedenen Herstellern. Wir gehen aber davon aus, dass die neuen Motoren des führenden Lieferanten bei den Marken eingesetzt werden, die aktuell bereits mit Bosch zusammenarbeiten. Von den Elektrovelo-Marken, mit denen Veloplus zusammenarbeitet, betrifft das Flyer, Ibex, Cresta, Trek und Cube. Einige dieser Marken haben bereits durchblicken lassen, dass sie demnächst neue Elektrovelos vorstellen werden.

Wir halten unsere Kunden hier im Blog auf dem Laufenden, wenn unsere Partnerlieferanten E-Bikes mit den Bosch-Antrieben der dritten Generation vorstellen werden.

 

Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 19. Juni 2019 um 12:21 und abgelegt unter Allgemein, E-Bike/Velektro, News, Produkte. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

14 Kommentare über “Bosch 2020: für jedes E-Bike den massgeschneiderten Antrieb”

  1. Peter Kübler schrieb:

    Neue Bosch CX-Antriebe und PowerTube 625 tönt vielversprechend. Nicht akzeptabel aber ist, dass der Powertube 625 nicht den PowerTube 500 ersetzen kann. Was bleibt, ist ein neues E-Bike, sofern das nötige Kleingeld vorhanden ist.

  2. Seraina Schmid by Veloplus schrieb:

    Hallo Peter, besten Dank für deinen Kommentar. Leider ist es für Bosch nicht möglich, den Akku gleich gross zu machen, da der PowerTube 625 eine grössere Leistung hat, damit mehr Zellen braucht und diese wiederum mehr Platz.

  3. André schrieb:

    Es wäre innovativer von Bosch, wenn statt immer neuen Akkus und Grössen etc… ein Leasingkonzept für Akkus angeboten würde… es kann nicht sein, dass sich die Nachhaltigkeit von E-Bikes analog von Mobiltelefonen entwickelt und jedes Jahr ein neuer Akku gekauft werden muss, falls es ihn dann noch gibt nach 2-3 Jahren… sonst bleibt dann nur ein Wechsel des E-Bikes…
    Solange diese Frage nicht geklärt ist und ein Leasing/Miete nicht möglich ist, werde ich kein E-Bike anschaffen.

  4. Seraina Schmid by Veloplus schrieb:

    Hallo André, vielen Dank für deinen Kommentar. Bosch und auch wir von Veloplus sind stets bemüht, die Lebensdauer von Akkus so lange wie möglich zu machen und auch ältere Akkus lange anbieten zu können. Ein gutes Beispiel dafür ist der CLASSIC+ PowerPack 400Wh Rahmenakku von BOSCH (https://www.veloplus.ch/AlleProdukte/ElektroveloZubehoerundErsatzteile/Akku-Kauf/bosch-bosch-classic-powerpack-400wh-rahmenakku.aspx), Modelljahr bis 2013.

  5. Mike Chamstad schrieb:

    Toll, hoffentlich wird das Ibex eAvantgarde Neo Gates mit dem neuen Speed-Motor als Konfiguration möglich sein. Falls noch eine XT Schaltung dazu kommt, wäre das dann so ziemlich mein Traumvelo. Ich hoffe mal und warte ab.

  6. Roger Züger by Veloplus schrieb:

    Hoi Mike
    Ja, das wäre tatsächlich toll. Allerdings können wir dir dies im Hier und Heute noch nicht bestätigen. Die Hersteller werden ihre Modelle mit den entsprechenden Komponenten erst im Verlauf der nächsten Wochen und Monate präsentieren.

  7. Stettler schrieb:

    Kann ich mein Flyer umrüsten

  8. Thomas schrieb:

    Weg mit dem kleinen Ritzel und auf das normal grosse ist ja eine gute Idee. Doch hat Bosch früher es auch schon so gehabt und Probleme mit Lagerspiel an der Kurbelwelle des Bosch Motors. Es wurde ein kleines Ritzel montiert und siehe da kein Probleme mehr. Übrigens Yamaha hat das Problem auch mit Lagerspiel. Der Motor soll noch kleiner und leichter sein und ob das gut geht wieder auf das große umzurüsten wird sich noch zeigen. Auf jeden Fall lieber ein Jahr später ein Bosch Motor kaufen.

  9. Rainer Hirter schrieb:

    Was haben diese Ersatzakkus eigentlich für ein Produktionsdatum? Ich meine wenn das 5 jährige Restbestände sind, ist das ja auch nicht gerade optimal.

  10. Reiner Ulrich schrieb:

    Kleiner Zusatz: alle Bosch Akkus haben 36V Nennspannung, also kommen beim Powertube 625 nicht mehr, sondern größere Zellen zum Einsatz, was im Ergebnis natürlich gleich bleibt: der Akku braucht mehr Platz. Schade, dass kein größeres Power Pack angeboten wird, bei den meisten Velos ist dieses ja offen am Rahmen und würde auch passen wenn es etwas dicker oder breiter wäre…

  11. Reiner Ulrich schrieb:

    Die Kritik ist natürlich nicht ganz unberechtigt. Wenn ein E-Bike täglich für 50-100 km genutzt wird, hält der Akku aber wohl auch zwei Jahre (500 Zyklen). Oder 25’000-50’000 km. Wer ein so intensives, aber regelmäßiges Nutzungsverhalten hat, kann den Akku schonen, indem er möglichst nie ganz leer fährt und vor allem nicht immer komplett auf 100% auflädt (z.b. mit Schaltuhr Ladegerät trennen oder manuell einige Zeit nach Blinken des 5. Ladebalkens). So verwendet kommen Lithium Akkus auf bis zu 3000 Zyklen (120’000 km bei 40km pro Zyklus…). Lenovo Akkus in Laptops halten so bis zu 8 Jahren und mehr. Teslas übrigens auch. Schade hat das Bosch Ladegerät keinen solchen Akku-Schon-Modus. Ausserdem bieten Drittanbieter den Zellentausch in einem alten Akku an, das könnte auch helfen.

  12. Grunauer Willi schrieb:

    Guten Tag,
    Ich habe all die Kommentare gelesen und frage mich
    wie ich als E-Bike-Laie noch klar kommen soll.
    Was bietet denn Flyer mit den Panasonic-Motoren
    und den entsprechenden Akkus an? Werden Panasonic
    Motoren bald Vergangenheit sein? Wie steht es denn
    betr. den andern E-Bike anbietern darüber schreibt
    Velo-Plus sozusagen nichts, oder?
    Vielen Dank

  13. Robert Gerhard schrieb:

    Ein neuer Motor, sehr gut. Ein Akku mit mehr Leistung und mehr Reichweite eigentlich auch gut. Aber einmal mehr kann eine neue Akkuversion nicht in bisherige E Bike integriert werden. Habe vor ca. einem Monat ein Trek Powerfly Lt 9/2019 gekauft (Design und Integration des Akkus waren u.a. Gründe für den Kauf), und gehofft, dass der neue Bosch-Akku auch in diesem Bike Platz hat. Aber weit gefehlt. Ich finde es eine absolute S….ei, dass bei techn. Neuheiten nur das monetäre Interesse der Hersteller und nicht auch der praktische und kompatible Nutzen berücksichtigt werden. Ich gehe davon aus, dass in 2 – 3 Jahren wieder ein noch stärkere Akku auf den Markt kommen wird und man dann halt wieder ein neues E-Bike kaufen muss. Man hat ja dafür notwendige Kleingeld stets zur Verfügung!!! Dass neue und stärkere Akkus mit mehr Reichweite trotzdem in bisherige Rahmen passen, haben Stromer, Flyer und Rotwild bestens bewiesen. Aber eben der Rubel muss rollen. So auch für Velo Plus.

  14. Manuel schrieb:

    Tja, die Physik gilt leider auch bei E-Bikes; stärkere Akkus brauchen mehr Platz. Ich finde z. B. die Schwerkraft (genauer gesagt: die Gravitation, die bewirkt, dass auf der Erde alle Körper nach «unten» d. h. in Richtung Erd-Massenzentrum fallen, sofern sie nicht durch andere Kräfte daran gehindert werden) jedes mal, wenn ich eine Steigung hoch «trampe» auch Schei… 🙁
    Niemand muss wegen einen grösseren Akku ein neues Bike kaufen, die bisherigen Akkus werdcen weiterhin angeboten. Wem’s nicht passt, darf auch ohne Strom mit einem ganz normalen Velo fahren – das ist in jedem Fall nachhaltiger, ökologischer und billiger; man muss sich dann auch nicht über die Abzockerei der Hersteller ärgeren, deren einziges Ziel ja ist, den Konsumenten das Geld aus der Tasche zu ziehen – und die Physik wird damit auch richtig gut erlebbar.
    Gute Fahrt allerseits!

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