Wie hoch ist der Nachholfbedarf an Velo-Infrastruktur in der Schweiz?

Donnerstag 11. August 2016

Author: Kathrin by Veloplus

Social Media Verantwortliche und Redaktorin bei Veloplus

Der Ausbau der Velo-Infrastruktur in der Schweiz ist ein brandaktuelles Thema und wird sowohl in der Politik wie auch in der Medienwelt heiss diskutiert. Veloplus setzt sich aktiv für den Ausbau der Velo-Infrastruktur ein und hat massgeblich dazu beigetragen, dass die Velo-Initiative zustande kam. Der Bundesrat ist nun damit beschäftigt einen Gegenvorschlag zur Initiative auszuarbeiten. Wie dringend notwendig eine verbesserte Velo-Infrastruktur ist, zeigt eine aktuelle Auswertung des Tages-Anzeigers.

UPDATE: Der Bundesrat unterstützt grundsätzlich die verkehrspolitische Gleichstellung des Veloverkehrs mit dem Fussverkehr und dem Wandern. Er hat zur Velo-Initiative einen direkten Gegenentwurf ausgearbeitet und führt zu diesem nun bis am 17.11.2016 eine Vernehmlassung durch.

Der Tages-Anzeiger veröffentlichte diese Woche einen sowohl interessanten wie auch erstaunlichen Artikel zum Thema „Velofahren“. In Zusammenarbeit mit dem Statistischen Amt des Kantons Zürich hat der Tages-Anzeiger eine Auswertung gemacht, welche das Velo-Verhalten aller europäischen Staaten ermittelt. Die Auswertungen zeigen, dass  das Velofahren in der Schweiz heute ungefähr dieselbe Bedeutung hat wie in Rumänien und der Slovakei. Konkret bedeutet dies, im europäischen Vergleich steht die Schweiz schlecht da. Nur 7-8 Prozent aller Schweizer fahren häufig Velo. Das ist weniger als der Durchschnitt aller 28 EU-Staaten (8.3 Prozent). Dennoch gibt es auch einige Städte hier zu Lande, die bereits als Velohochburgen gelten, nämlich: Basel-Stadt (19 Prozent) und Winterthur (16 Prozent) – immerhin ein Anfang.

Die Auswertungen sagen aber nicht nur aus, dass in der Schweiz wenig Velo gefahren wird. Sie geben ebenfalls Auskunft über die Sicherheit auf unseren Strassen. Gemäss dem Bundesamt für Strassen (ASTRA) starben hier zu Lande letztes Jahr 39 Velofahrerinnen und Velofahrer – 14 davon waren auf E-Bikes unterwegs. Das sind zwar zehnmal weniger als in Deutschland, doch gemessen am Anteil der Vielfahrer ist die Gefahr, auf Schweizer Strassen zu sterben, grösser als in Deutschland.

Warum ein Gegenentwurf?

Damit in Zukunft mehr und sicherer geradelt werden kann in der Schweiz, muss dringend etwas getan werden – dies hat auch die Politik erkannt. Der Bundesrat ist drauf und dran einen Gegenentwurf zur Velo-Initiative zu entwerfen.

Die Velo-Initiative verlangt, dass der Bund künftig «attraktive und sichere Netze» fördert und koordiniert. Ein ähnlicher Verfassungsartikel existiert bereits für Fuss- und Wanderwege, allerdings ist dieser unverbindlich formuliert. Dass daraus nun eine Verpflichtung werden soll, geht dem Bundesrat zu weit. Ein stärkeres Engagement im Bereich der Velowege hält er indes «grundsätzlich für sinnvoll und zweckmässig», weshalb er einen Gegenvorschlag erarbeitet. Das Velo eigne sich, um Verkehrsspitzen zu brechen, trage dazu bei, CO2-Ausstoss und Energieverbrauch zu senken und die Gesundheit zu fördern, sagt der Bundesrat.

Veloplus verfolgt den weitern Verlauf der Dabatte gespannt und setzt sich weiterhin aktiv für eine besser ausgebaute Velo-Infrastruktur ein.

* Alle in diesem Blogbeitrag verwendeten Daten und Grafiken stammen vom Tages-Anzeiger, dem Statistischen Amt des Kantons Zürich sowie vom Europäischen Radfahrverband (ECF).

 

 

 

 

 

 

 

Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 11. August 2016 um 08:00 und abgelegt unter Allgemein, Engagement, Velopolitik. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

6 Kommentare über “Wie hoch ist der Nachholfbedarf an Velo-Infrastruktur in der Schweiz?”

  1. urs schrieb:

    das ist aber sehr nett ausgedrückt. Ich finde in der Schweiz wird Verkehrspolitik mit Autopolitik verwechselt – die Situation für den Velofahrer verschlechtert sich seit Jahren. Letzhin bin ich von zuoberst im Montafon bis an den Bodensee auf der Oesterreicher Seite gefahren: keinen Meter auf einer Autostrasse.

    Die Tourismuswerbung und die Politik setzen sich lieber für 5-Pässefahrten mit dem Auto ein – da findet man die Milliardäre. Schwachsinn und hirnlose Klagegeister.

  2. Rein Jan Piso schrieb:

    Wenn wir das Radfahren attraktiver machen wollen, müssen wir auch die Stresskomponenten für die Radfahrer vermindern. Einer ist das zu nahe Überholgen von Auto/Schwerverkehr. Leider besteht hier in der Schweiz gar kein Konzept. Einerseits gibt es keine klare Richtlinien bzg. des Mindestabstand (in der EU 1 Meter plus die gefahrene Geschwindigkeit in cm, bei 50 km/h also 1.5 m) noch ein vernünftiges Radwegkonzept. Interessant ist, dass der Abstand, welche Autofahrer einhalten, geringer ist, wenn ein Radstreifen vorhanden ist, also wenn gar keine Markierung vorhanden ist. Diese machen das Radfahren also eher gefährlicher als sicherer.

  3. Kathrin by Veloplus schrieb:

    Hallo Rein Jan Piso, Vielen Dank für die interessante Erläuterung zu dieser Thematik. Es ist sicherlich so, dass in Punkto Velo-Infrastruktur in der Schweiz noch Nachholbedarf besteht. In welchem Ausmass dies in naher Zukunft passieren wird? Wir sind gespannt. Weiter schreibst du, dass die Autofahrer bei einem vorhandenen Radstreifen weniger Abstand halten. Ist dies dein persönliches Empfinden oder gibt es gar eine Studie darüber? Wir sind immer dankbar um solche Informationen. Gruss, Kathrin von Veloplus

  4. Ruedi.. . . ' schrieb:

    Neue Velowege sind ja schön bringen aber auch neu Gefahren:
    – mal sind sie links, dann wieder recht, zwischendurch gibts keine, also wieder links,
    – mal werden sie von unseren mit Airbags ausgestatten Verkehrskolegen, bei Einfahrten, missachtet, kommt ja sowieso selten jemand
    – Nicht zu unterschätzen ist auch die Gefahr beim Kreuzen, auf Doppelspurigen, speziell wenns bergauf oder -ab geht und noch unübersichtliche Kurven mit Mauern dazu kommen. Zum „Glück“ ist der Veloverkehr noch nicht so hoch
    – Im Winter verändern sich die Veloweg oft zu wahren MB-Trails, blankes Eis vom am Tage geschmolzenen Schnee; kaum geräumt, werden sie mit Eisklumpen vom Strassenpflug in einen Acker verwandelt; da wäre man auf der Strasse oft sicherer unterwegs, da die Autos ausnahmsweise mal krichen.
    – Von den mobilgesteuerten und mit Kopfhörer ausgerüssten Fussgängern wollen wir schon garn nicht sprechen.

    Einfach, aber breite Strassen wären da oft sicherer und auch einiges billiger. Wir Scheizer können es ja nur perfekt, Randsteine, Bepflanzung die dann mit schwerem Schnee beladen sich über die Wege legt, Perfekte Ein- Ausfahrten und Seitenwechsel machen die Sache nicht einfacher.

    Zuletzt sei erwähnt, wie unschwer erkennbar, meinen Arbeitsweg, zum Glück etwas verschoben zu den Hautverkehrszeiten, das ganze Jahr mit dem E-Bike bewältige.

  5. Kathrin by Veloplus schrieb:

    Hallo Ruedi, vielen Dank für deinen Kommentar mit den interessanten Aspekten zur Thematik der Velo-Infrastruktur. Wir sind gespannt, wie die Politik entscheiden wird und bleiben auf jeden Fall am Ball. Gruss, Kathrin von Veloplus

  6. Rein Jan Piso schrieb:

    Zum Überholverhalten gibt es Studien, wenn auch nur wenige, es ist nicht nur meine persönliche Erfahrung. Mein persönliche Erfahrung jedoch ist, dass Lastwagen und Busse weniger Abstand halten alte PW

    https://fahrradzukunft.de/5/ueberholverhalten/

    https://radinfrastruktur.wordpress.com/2015/09/28/studie-schutzstreifen/

    http://www.spektrum.de/news/autofahrer-ueberholen-fahrradhelmtraeger-enger/850609

    https://rad-spannerei.de/2013/12/09/studie-zum-ueberholverhalten-von-autofahrern/

    http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0001457509001997

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