Tandems auf dem Abstellgleis?

Mittwoch 7. Oktober 2015

Author: Michael by Veloplus

Social Media Verantwortlicher und Redaktor bei Veloplus.

Seit Juni 2015 erweitern die SBB das Platzangebot für Velos in diversen Zügen. Das erweiterte Platzangebot hat aber einen Preis: Tandems und andere Spezialvelos mit einer Länge von über zwei Metern werde nur noch in Regionalzügen und S-Bahnen transportiert. Pro Velo, der Tandemklub der Schweiz sowie Futurebike wehren sich dagegen.

Die Nachricht, dass die SBB nach und nach das Platzangebot für Velos in den Wagen der Intercity-Züge erweitern, sorgte nicht überall für Freude. Denn die Besitzerinnen und Besitzer von Tandems, Liegevelos und anderen Spezialvelos mit einer Länge von über zwei Metern schauen bei dieser Neuerung ein: Ihre Zweiräder werden nicht mehr transportiert – zumindest nicht mehr in IC-, ICN-, IR- und EC-Zügen, was eine erhebliche Einschränkung der Mobililtät bedeutet.

Die SBB argumentieren mit Sicherheitsbedenken; so könnten solche Velos in den Durchgangsberieich ragen und in Spitzenzeiten zu Sicherheits- und Kapazitätsproblemen führen.

Gegen diesen Entscheid wehrt sich Pro Velo Schweiz mit einer Stellungnahme (vollständige Version): Pro Velo regt darin die Verantwortlichen an, diese restriktive Massnahme noch einmal zu überdenken.

Was ist Eure Meinung? Seid Ihr selbst Tandem- oder Liegevelofahrer und von diesem Entscheid betroffen?

 

Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 7. Oktober 2015 um 13:23 und abgelegt unter Allgemein, News, Velopolitik. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

8 Kommentare über “Tandems auf dem Abstellgleis?”

  1. Heiko schrieb:

    Ich fahre Weder Tandem noch sonstige Spezialvelos, jedoch finde ich das für diese Kunden (welche ja glaub ich auch mehr bezahlen als für ein „normales“ Velo) äusserst schlecht.

    Leider bestätigt das die Philosophie, welche die SBB seit längerem verfolgt: Der Kunde (somit auch jeder Steuerzahler etc.) hat zu tun was die SBB sagt. Und nicht umgekehrt.

    Wenn Veloplus eine solche Strategie verfolgen würde, würde VP pleite gehen. Deshalb denken sie ja anders 🙂 aber eine SBB kann sich das ja leisten…

  2. Michael by Veloplus schrieb:

    Wir findens auch schade, zumal wir alle ja auch viel mit dem Zug unterwegs sind und uns ein sich möglichst ergänzendes Angebot rund um den nicht motorisierten Verkehr wünschen.

  3. Andreas und Sandra schrieb:

    Wir sind immer noch schockiert über die Absicht der SBB, aus „Platz- und Sicherheitsgründen“ Tandems und andere Spezialfahrräder in den Fernverkehrszügen zu verbieten. Für Tandemfahrende ist das eine massive Verschlechterung.

    Wir waren in den letzten Jahren hin und wieder mit dem Zug unterwegs und hatten nie Probleme – selbstverständlich auch darum, weil wir uns bemüht haben, unter der Woche und/oder zu Randzeiten unterwegs zu sein. Ich finde es deshalb eine Affront der SBB, dass man vorsichtshalber den Transport gleich einmal verbietet! Es war bisher schon möglich, bei Bedarf den Transport zu verweigern – das würde ja wirklich reichen. Das Problem wäre also mit gesundem Menschenverstand zu lösen – selbstverständlich braucht es dazu nebst der SBB auch die Tandemfahrenden, welche möglichst auf Randzeiten ausweichen.

    Wir haben diesen Sommer nur gute Erfahrungen gemacht. Die SBB haben wir zwar aufgrund der neuen Regelung gemieden und haben unser neues Tandem von Basel nach Chur heimgefahren (eine wunderschöne Tour quer durch die Schweiz!). Der Verlad auf den Strecken der Rhätischen Bahn ist hingegen vorbildlich – da steht auch für Tandems genügend Platz zur Verfügung.

    Wir werden im November für einen Erstservice nach Basel fahren müssen – dafür wären wir mit den noch erlaubten RE-Zügen über 4 Stunden unterwegs und müssen drei Mal umsteigen. Gleichzeitig fährt das voraussichtlich leere Veloabteil im IC in 2 h 20 direkt nach Basel. Wir werden deshalb testen müssen, wieviel gesunden Menschenverstand das Zugpersonal der SBB an den Tag legen darf.

    Selbstverständlich wären wir sehr froh, wenn wir unser Tandem wieder ohne mulmiges Gefühl in einen IC-Zug stellen dürfen. Deshalb besten Dank an ProVelo Schweiz für ihren Einsatz für die 1% Tandemfahrenden, damit hier eine bessere Lösung als ein Verbot gefunden werden kann.

  4. Heinz Gadient schrieb:

    Ich finde das völlig daneben – sooo viele Tandems und Liegevelos gibt es ja auch wieder nicht. Was mich in den Zügen oft stört ist, dass Kinderwagen und Gepäck oft kreuz und quer in den für Velos vorgesehene Bereich abgestellt werden. Kommt noch dazu dass die Rollkoffer immer grösser und der Gepäckabstellplatz immer kleiner wird.

  5. Gerhard Gasser schrieb:

    Ich finde es auch total übertrieben, zumal wir TandemfahrerInnen ja in der Schweiz, als einziges Land im umliegenden Europa, auch den doppelten Velotarif zahlen. All die neuen, modernen Monsterkinderwagen und Megagepäckstücke in den Veloabteils sind dann gratis.

  6. Max schrieb:

    Ich bin ja schon gespannt, wenn wir mit unserem Tandem bald wieder mehr fahren und auch mal in einen Zug steigen wollen, um eine Strecke zu verkürzen. Und wenn ich mir vorstelle, dass wir nun auch noch einen Kinderanhänger einladen wollen. Danke SBB – mit den Pharmabetrieben, den AKW Betreibern und der FIFA stehst du in der Sympathierangliste ganz weit hinten.

  7. Johanna Lott Fischer schrieb:

    Da wir nicht nur aus Vergnügen (aber das auch) sondern aus Notwendigkeit Tandem fahren -unsere Tochter ist blind- wird die neue Regelung unsere Möglichkeiten für Ausflüge stark einschränken. Wir wohnen an einer Linie, wo es in gewisse Richtungen nur ICN gibt – wir müssten grosse Umwege machen. Die SBB sollte sich überlegen, ob nicht Sehbehinderte, die ja einen Ausweis haben, von der neuen Regelung ausgenommen werden können

  8. Martin Kuhn schrieb:

    Heute wollten wir mit unserem Tourentandem mit dem IC um 11:02 von Bern nach Winterthur fahren. Im Familienwagen hatte es kein einziges Fahrrad und nur einen Kinderwagen. Das Einladen ging elegant. Dann kam der Kondukteur und erklärte uns, dass Tandems nur noch in S-Bahnen erlaubt und in IC-Zügen verboten seien. Er beharrte darauf, dass wir wieder ausladen mussten.
    Unsere Reise verlängerte sich um ein Vielfaches. Wir kamen erst um 15:46 in Winterthur an, mussten viermal umsteigen und jedesmal etwa 20 Min. auf den Anschlusszug warten, und unsere Fahrt auf dem Rad nach Hause blieb dann mangels Zeit auch noch weg. Wir haben uns sehr geärgert und verstehen diese Paragraphenreiterei des Zugpersonals nicht.

Kommentar schreiben